Die Zukunft von Antichrisis & das verlorene Album
Als Musiker bin ich
jedoch zugleich zwischen zwei Positionen hin- und
hergerissen: Einerseits hat das Internet mit seinen
Möglichkeiten des Verfügbarmachens und Vertreibens
von Musik (doch sollten an dieser Stelle auch
Begriffe wie "Tauschbörsen" oder "illegale
Downloads" genannt werden) den großen Plattenfirmen
eindeutig die Grenzen ihrer verblendeten Hochpreis-
und Veröffentlichungspolitik aufgezeigt;
andererseits leiden gerade diejenigen Musiker und
Labels, die wirklich noch mit Herzblut bei der
Sache sind, besonders unter den daraus
resultierenden schwindenden Einkünften, da es wie
im Rest des Wirtschaftslebens die
Geringerverdienenden eben immer wesentlich härter
trifft, sobald der Kuchen, den es zu verteilen
gibt, kleiner wird.
Experten gehen davon aus, daß auf einen einzigen
legal erworbenen Song mittlerweile 99 illegale
Downloads und Kopien kommen (und darunter fallen z.
B. auch solch vermeintlich harmlose Geschichten wie
"mal eben ein Album für einen Freund auf CD
brennen"). Das bedeutet, daß Künstler und
Plattenfirmen lediglich für 1 % ihres Outputs
überhaupt noch Geld erhalten: Auf dieser Basis
lässt sich auf Dauer leider kein Geschäft
betreiben. Das ist auch der Grund, warum unser
bisheriges Label Reartone Records es sich momentan
nicht mehr leisten kann, das lang erwartete
Antichrisis-Album "The Legacy Remains" auf den
Markt zu bringen.
Für ein Label von der Größe von Reartone Records
gibt es derzeit keine Möglichkeit, in einem
wirtschaftlich vernünftigen Rahmen mit Produktionen
von unbekannten Bands noch einigermaßen
kostendeckend zu arbeiten - von Gewinnerzielung
ganz zu schweigen. Daher kann ich die Entscheidung
von Reartone Records bestens verstehen, auch wenn
es mir natürlich leid tut, daß "The Legacy Remains"
somit unveröffentlicht bleiben wird und die Arbeit,
die wir uns in den letzten Jahren mit diesem Album
gemacht hatten, somit umsonst war.
Reartone Records kann es sich - zumindest, so lange
die derzeitige Situation im Musikbusiness anhält -
nicht länger leisten, neue Alben relativ
unbekannter Bands auf den Markt zu bringen. Mit
diesem Problem steht Reartone Records allerdings
keinesfalls alleine da: Selbst ein äußerst
erfolgreiches Label wie Touch and Go Records aus
Chikago, das z. B. mit TV On The Radio, CocoRosie
und den Yeah Yeah Yeahs 3 Bands unter Vertrag hat,
die bereits den kommerziellen Durchbruch geschafft
hatten, muss seine Vertriebstätigkeiten aufgrund
der eingangs beschriebenen Situation wieder
drastisch einschränken. Mac McCaughan (Merge
Records) kommentierte dies treffenderweise mit den
Worten: "Wenn eine Firma, die alles richtig gemacht
hat, in diesem Geschäft nicht überleben kann ...
wer dann?"
Doch was bedeutet dies für Antichrisis? Zunächst
einmal wird es in naher Zukunft vermutlich
keinerlei CD oder Album-Veröffentlichungen mehr
geben (es sei denn, ein anderes Label wäre daran
interessiert, Antichrisis unter Vertrag zu nehmen).
Wie bereits erwähnt, kann ich die Entscheidung von
Reartone Records voll und ganz nachvollziehen, und
genau aus diesem Grund fand die Trennung von
Reartone Records auch in gegenseitigem Einvernehmen
statt. Sollten sich die wirtschaftlichen
Voraussetzungen grundlegend ändern, gäbe es sowohl
für Reartone Records als auch für Antichrisis somit
keinerlei Hinderungsgrund, die bisherige gute
Zusammenarbeit fortzusetzen.
In der Zwischenzeit (oder für die weitere Zukunft)
werde ich Antichrisis wie in den Tagen von "Cantara
Anachoreta" als 1-Mann-Projekt weiterführen, d. h.
ich werde wieder alles inklusive Mix und Produktion
im Alleingang machen und die Resultate dieser
Arbeit in Form von Streaming Audio auf
www.antichrisis.net veröffentlichen. Momentan fehlt
mir noch ein funktionierendes Konzept für den
Online-Vertrieb dieser Songs, da mir die
gegenwärtig verfügbaren Lösungen noch zu
kompliziert und unübersichtlich erscheinen, doch
sobald sich eine neue, einfach funktionierende
sowie zeit- und kostensparende Vertriebsmöglichkeit
abzeichnen sollte, werde ich mich
selbstverständlich bemühen, eine entsprechende
Möglichkeit zum Erwerb der Songs zu schaffen.
Nichtsdestotrotz habe ich meine Zweifel daran, daß
es von Antichrisis jemals wieder Alben im
traditionellen Sinne geben wird, denn in Zeiten des
Online-Vertriebs ist das Album als solches eine
nicht mehr zeitgemäße Veröffentlichungsform. Meiner
Ansicht nach liegt die Zukunft in der
Veröffentlichung einzelner Songs und bei denen der
Hörer dann selbst entscheiden kann, ob sie ihm
gefallen und ob er sie somit käuflich erwerben
möchte. Selbstverständlich sollte es dem Hörer
völlig freigestellt sein, aus diesen einzeln
gekauften Songs ein individuelles Album
zusammenzustellen und auf CD zu brennen, sofern er
dies möchte. Im Vertrieb digitaler Daten über das
Internet liegt nun mal die Zukunft jeglicher
Multimedia-Inhalte, ganz egal, ob man dies nun
gutheißt oder nicht - doch leider stecken diese
Vertriebsformen noch immer in ihren Kinderschuhen.
Somit wird "The Legacy Remains" wohl niemals
veröffentlicht werden, aber Antichrisis wird auf
jeden Fall als Solo-Projekt weiter bestehen. Ich
werde trotz dieser Entwicklung nicht damit
aufhören, Songs zu schreiben und aufzunehmen, denn
dazu ist die Musik viel zu sehr ein Teil meiner
selbst. Natürlich könnte ich das Songmaterial von
"The Legacy Remains" auch alleine ferigstellen,
doch das würde sich für mich nicht richtig
anfühlen, denn dieses Album war das Resultat der
Zusammenarbeit einer Band, die nun leider nicht
mehr existiert, und es wäre meinen vormaligen
Bandmitgliedern gegenüber unfair, dieses gemeinsam
erarbeitete Material im Alleingang zu
veröffentlichen.
Dass die Band nicht mehr weiterbestehen kann, hat
schlicht und einfach damit zu tun, daß wir nie eine
Live-, sondern eine Studio-Band waren: Wir trafen
uns im Bluehouse Studio von Reartone Records, um
dort an den Songs zu arbeiten und aufzunehmen, doch
da es diese Option nun nicht mehr gibt und alle
vormaligen Bandmitglieder sehr weit verstreut
leben, bedeutet das Ende der Zusammenarbeit mit
Reartone Records leider auch das Ende der
derzeitgen Bandkonstellation. Nichtsdestotrotz
freut es mich, daß sich sowohl Näx (Uilleann Pipes)
als auch Frank (Vocals) sofort bereit erklärten,
auch an künftigen Songs weiter mitzuwirken; es wird
also trotz des Solo-Projekt-Charakters, den
Antichrisis von nun an hat, immer noch Gastmusiker
zu hören geben.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich allen ehemaligen
Bandmitgliedern meine tiefe Dankbarkeit
aussprechen: Jens Bachmann für seine herausragende
Gitarrenarbeit und Produzententätigkeit, Tilo
Rockstroh für seine genialen Keyboard-Arrangements
und makellose Tontechnik sowie Jens-Nils Kuge für
sein überaus präzises und fantastisches
Schlagzeugspiel: Sie alle haben Antichrisis auf
"Perfume" und "A Legacy of Love Mark II" auf
unnachahmliche Weise geprägt, und ich bin mir
sicher, daß auch "The Legacy Remains" erneut unter
Beweis gestellt hätte, welche großartige und
wunderbare Musiker sie sind: Es war mir große
Freude und Ehre, mit ihnen arbeiten zu dürfen!
Darüber hinaus möchte ich natürlich auch Steffi
Breiting herzlich für ihre Bereitschaft, bei
Antichrisis mitzuwirken, danken, auch wenn
letztendlich keine Aufnahmen mehr mit ihr zustande
kamen.
Für Antichrisis hat ein neues Kapitel begonnen:
Zurück zu den Wurzeln, sozusagen; und diese Wurzeln
werden verdammt nach Songs wie "Ocean's Too Wide"
oder "Crossing The Line" klingen, die ihr schon
jetzt in der Musik-Sektion dieser Website hören
könnt. Und da ich mich in Zukunft nicht mehr um
Albumproduktionen oder Studiotermine kümmern muss,
werden schon bald weitere Taten folgen.
Stoppt weibliche Genitalverstümmelung
News, January 2008
Endlich haben wir eine neue Sängerin für Antichrisis gefunden: Es ist Steffi Breiting, und wir sind hocherfreut, sie mit an Bord zu haben. Steffi ist eine erfahrene Sängerin, die bereits in vielen unterschiedlichen Projekten und Bands mitgewirkt hat, unter anderem auch bei "Moods of Ally" (mehr Informationen dazu unter http://www.myspace.com/moodsofally). Dank Steffi können wir die Aufnahmen zu unserem bevorstehenden Album "The Legacy Remains" endlich fortsetzen, weshalb ich auch zuversichtlich bin, daß dieses lang erwartete Album, dessen Veröffentlichung sich aufgrund der Besetzungswechsel in der Vergangenheit immer wieder verzögert hat, in diesem Jahr endlich fertiggestellt werden wird.
Schlosshof-Festival 2007
Wie immer trudelten meine Süße und ich mit etwas Verspätung ein, so dass wie den Opener Nachtgeschrei verpasst hatten. Als wir den Schlosshof betraten, waren Merlons Lichter bereits auf der Bühne und gaben sich redlich Mühe, liessen das Publikum jedoch weitestgehend kalt, was an der leicht verunglückten Performance der Band lag: Da Sänger und Drehleierspieler PG ist nicht gerade der mitreissendste Frontmann aller Zeiten ist und die Restlichter - mit Ausnahme der Sängerin - so verloren wie bei Stromausfall im Proberaum agierten, wollte der Funke nicht richtig überspringen. Da halfen auch die hilflosen Tanzeinlagen der Sängerin nichts, die dank ihres peinlichen silbernen Flügel-Umhangs des Öfteren wie eine orientierungslos herumtaumelnde Alufolien-Fledermaus wirkte... Eigentlich schade, denn die Musik dieser Erlanger Combo setzte sich ansonsten wohltuend vom üblichen In-Subway-Extremo-Corvus-Sound anderer Mittelalter-Bands ab, doch infolge der farblosen Darbietung verpuffte deren Wirkung gänzlich!
Diesbezüglich sah es Feuerschwanz, die auf Merlons
Lichter folgten, gleich eine ganze Ecke anders
aus: Schon beim Soundcheck sorgten sie für mehr
Stimmung im Publikum, als die Merlons während
ihres gesamten Auftritts erzeugten.
Zugegebenermaßen ist eine Band mit einem Motto
wie "Met & Miezen" in diskursiver Hinsicht
mehr als nur peinlich; wer Schandmauls "Herren
der Winde" zur nächstliegenden Flatulenz-Ballade
umfunktioniert und darüber hinaus den Großteil
des eigenen lyrischen Oeuvres deutlich unterhalb
der mittelalterlichen Gürtellinie ansiedelt,
sollte eigentlich gnadenlos gedisst werden -
doch seien wir mal ehrlich: AC/DC, Led Zeppelin,
Motörhead oder ZZ Top sind auch nicht gerade
literarische Schöngeister und werden dennoch
toleriert und anerkannt - und Feuerschwanz
verbreiteten trotz ihres Schlüpfrigkeitsfaktors
von +10 auf der nach oben offenen
Debilitätsskala dermaßen gute Laune, dass man
sich dem einfach nicht entziehen konnte: Also
hinfort mit allen Dünkeln und hehren Anspüchen,
dem fröhlich gröhlenden Nachbarn zugeprostet und
abtanzen, bis der Medicus kommt!
Feuerschwanz machten jedenfalls alles richtig, was
Merlons Lichter zuvor falsch gemacht hatten: Die
ganze Band ging gnadenlos nach vorne und spielte
für das Publikum, das im Gegenzug begeistert auf
dieses Powerplay reagierte - und wenn Feuerschwanz
so weitermachen, werden sie bei den Festivals der
nächsten Jahre womöglich noch Headliner-Status
bekommen!
Danach war Eric Fish dran, der mir solo
wesentlich besser gefällt als mit Subway to
Sally: Eigentlich macht er astreinen
Liedermacher-Folk, bei dem er meistenteils
englischsprachigen Songs sozialkritische
deutsche Texte verpasst: Das hat zwar rein gar
nix mit Mittelalter zu tun, doch weil er eben
der Subway to Sally-Frontmann ist, hört ihm das
Gothic-Publikum aufmerksam zu, das die
Originalversionen solcher Stücke wie "Summer in
the City" oder "Rocking in the Free World"
vermutlich noch nie zuvor gehört hat und jeden
langhaarigen Straßenmusiker, der dieselben Songs
mit der gleichen Inbrunst vorträgt, vermutlich
kaltlächelnd ignorieren würde...
Jedenfalls war es genau die richtige musikalische
Untermalung, um sich mit Freunden zu unterhalten
und ein Bierchen zu trinken; vom Schauwert her ging
diese Art der Darbietung auf der Festivalbühne
leider ein wenig unter, denn ein akustischer Set
dieser Art ist nun mal eher für kleine verräucherte
Musik-Clubs oder Kneipen geeignet, wo dann auch die
entsprechende Stimmung aufkommen kann - vielleicht
sollte Eric gelegentlich einfach mal im Strohalm in
Erlangen vorbeischauen?
Nach einer kleineren Umbaupause waren dann Saltatio Mortis angesagt:
Diese hatten mich schon auf dem Veldensteiner
Festival einige Wochen zuvor genervt, und obwohl
deren Sänger heute besser bei Stimme war,
hinterliessen sie auch diesmal wieder den
Eindruck einer Band, die nur dem Trend
hinterherläuft und gängigen Klischees zu
entsprechen versucht, anstatt etwas Neuartiges
zu kreieren oder Eigenständigkeit an den Tag zu
legen. So boten Saltatio Mortis auch an diesem
Abend wieder ein buntes Potpourri musikalischer
Beliebigkeiten, das sie jedoch durch eine
gigantische flackernde Lightshow aufzuwerten
versuchten, bei der jedoch dermaßen hektisch zu
Werke gegangen wurde, dass man für die etwaigen
Epileptiker unter den Zuschauern nur beten
konnte und sich unweigerlich fragte, welche
Drogen der Mann am Lichtmixer wohl eingeworfen
hatte.
Da es mittlerweile recht kühl geworden war,
beschlossen wir, vorzeitig nach Hause zu fahren und
bekamen daher von den Headlinern des Abends,
Fiddler's Green, nichts mehr
mit - aber mit dieser Band ist es sowieso so
eine Sache: Würde man Bands die The Pogues, die
Whisky Priests, The Men They Couldn't Hang, die
Oysterband oder auch die Dropkick Murphys nicht
kennen - ja, dann würde man Fiddler's Green
höchstwahrscheinlich richtig gut finden... doch
da man dummerweise all dieses Bands kennt,
beschleicht einen bei Fiddler's Green das
gleiche Gefühl als wenn man beim Frühstück statt
Nutella einen NoName-
Haselnuss-Schoko-Brotaufstrich vorgesetzt
bekommt: Egal, wie dick man ihn auf aufstreicht
oder was alles auf dem Glas steht - er kommt
einfach nicht ans Original heran!
Fazit: Es war trotz allem ein sehr schönes und
intimes Festival, das nächstes Jahr hoffentlich
wieder eine Fortsetzung findet - uns hat es
jedenfalls verdammt gut gefallen!
Veldensteiner Festival 2007
Wie üblich waren meine Süße und ich etwas zu spät
dran, so daß wir - nachdem wir unser Lager auf dem
Festival-Campingplatz aufgeschlagen hatten - nur
noch das Ende des Auftritts von Letzte Instanz mitbekamen.
Aus diesem Grund kann ich nicht viel über die
Band sagen, doch wer derart beherzt fortwährend
“The Lion Sleeps Tonight” zitiert und zu guter
letzt auch noch den definitiv besten Kiss-Song
aller Zeiten - nämlich “I Was Made For Loving
You” - in einer mehr als akzeptablen Version
darbietet, kann so schlecht nicht sein...
Die danach auftretenden Saltatio Mortis hingegen
brachten nichts, was man nicht schon tausendmal
zuvor gehört hätte: Harte Metal-Riffs,
mittelalterliche Dudelsäcke sowie farblose
Vocals - und alles ohne den geringsten Funken
von Originalität oder Wiedererkennungswert.
Daher liessen wir uns lieber ein gutes Bier
schmecken, anstatt weiter vor der Bühne
herumzulungern - dort tauchten wir nämlich erst
wieder auf, als es Zeit für meine ehemaligen
Label-Kollegen (remember Ars Metalli?) Die Apokalyptischen Reiter
war, und obwohl deren Musik nach wie vor nicht
unbedingt meine Baustelle ist, spielten sie
einen beeindruckenden Set, bei dem vor allem die
Gesangsleistung des Sängers sowie das perfekte
Timing der Band hervorstachen! Zwar verbreitete
so manches ihrer Publikumsspielchen eher den
Flair einer grenzdebilen
Teenager-Geburtstagsparty, aber alles in allem
war es ein äußerst unterhaltsamer Gig, der
durchaus das Prädikat wertvoll verdiente.
Nun waren Schelmish an der Reihe, und
obwohl sich der Mann am Mischpult jeglich
erdenkbare Mühe gab, den Sound der Band zu
verunstalten, war dieser Haufen für mich wie
auch für meine Freundin eindeutig das Highlight
des Festivals, denn obwohl auch Schelmish
mitunter einer musikalischen
“In-Extremo-fizierung” unterlagen und die eine
oder andere Nummer am Start hatten, die zu sehr
auf die üblichen
Mittelalter-meets-Metal-Klischees setzte,
brillierte die Band mit einer derartigen
Spielfreude und gnadenlosem Powerplay, daß ihr
auch der offenbar völlig taube und von allen
guten Geistern verlassene Mixer nichts anhaben
konnte.
Schelmish legten all das an den Tag, woran es Bands
wie Saltatio Mortis mangelt: Originelle Rhythmen,
einprägsame Songstrukturen, abwechslungsreiche
Dudelsack-Melodien etc. Zwar sind auch bei dieser
Band keine Gesangsvirtuosen am Start, doch wären
Schelmish die Ersten, die dies auch zugeben würden
- und dieses Manko machten sie durch jede Menge
einfallsreicher und mächtig ins Tanzbein gehender
Instrumental-Stücke wett; alles in allem eine tolle
und mitreissende Performance, für die die Band
völlig zu recht von einem hellauf begeisterten
Publikum abgefeiert wurde!
Bevor daraufhin die Headliner Subway to Sally die Bühne
betraten, ging eine längere Umbaupause voraus,
während der sich das Wetter deutlich
verschlechterte - möglicherweise hatte es schon
geahnt, was sich gleich in musikalischer
Hinsicht abspielen würde...
Wieso Subway to Sally über eine solch große
Fangemeinde verfügen, werde ich nie begreifen:
Vermutlich hat sich das jahrelange Touren der Band
bezahlt gemacht, und man kann auch keinesfalls
behaupten, daß die beteiligten Musiker und
Musikerinnen ihr Handwerk nicht verstehen würden.
Doch das Aufregendste am Auftritt dieser Band blieb
die effektvoll in Szene gesetzte Lightshow,
wohingegen die Musik so aufregend war wie eine
Nacht am Oer-Erkenschwicker Hauptbahnhof: Es war
schlichtweg die komprimierteste Form musikalischer
Langeweile, die ich seit langem erlebt hatte - und
mit einem Mal wünschte ich mir nichts sehnlicher,
als daß ich meinen iPod mitgenommen hätte...
Daher zogen wir uns nach der Hälfte der Show und
mit dem plötzlichen Einsetzen heftiger Regengüsse
unter den Poffertjes-Stand zurück und kamen wenig
später völlig durchnässt, aber mit einer Flasche
Holunderbeerwein bewaffnet an unserem Nachtlager
an, wo wir zu den Klänger der zuvor frisch
erworbenen Schelmish-CD dem Regen lauschten und uns
dabei den Wein schmecken liessen...
Fazit: Trotz des Wetterumschwungs am späten Abend
war es ein äußerst gelungenes und gut organisiertes
Festival, bei dem wir uns lediglich einen anderen
Headliner gewünscht hätten.
Feuertanz-Festival 2007
Meine Süße und ich
bummelten nach unserer Ankunft erst mal über den
Mittelaltermarkt und bestiegen den Burgturm, bevor
wir uns zu ASP vor der Bühne einfanden,
und obwohl ich nicht allzuviele Songs dieser
Band kannte, war ich von der ASP ziemlich
beeindruckt: Sie spielten einen druckvollen und
spannungsgeladenen Set, der mächtig ins Tanzbein
ging, und konnten aufgrund ihrer sympathischen
Performance trotz der für eine Gothic-Band
ungewöhnlichen Lichtverhältnisse (die Sonne
stand noch am Himmel!) und des miesen Sounds,
der ihnen verpasst wurde (und der wie im
weiteren Verlauf des Festivals zu hören war,
sich sehr wohl besser gestalten liess!), das
Publikum begeistern. Uns hat's jedenfalls so gut
gefallen, daß wir uns ASP gerne nochmal am 15.
November in Nürnberg im "Hirsch" unter hoffentlich
besseren akustischen Voraussetzungen anschauen
werden.
Nach ASP waren Tanzwut dran, die eine
äußerst professionelle und ebenfalls zum Tanzen
animierende Show boten: Seltsamerweise war deren
Sound deutlich besser als der von ASP, obwohl
Tanzwut definitiv schwerer abzumischen sind -
ein Schweinehund, wer Schlechtes dabei denkt!
Nichtsdestotrotz gingen Tanzwut ziemlich gut ab,
doch die mangelnden stimmlichen Qualitäten von
Sänger Teufel, der zwar ein guter Entertainer
sein mag, in punkto Gesang jedoch eher nach
rostiger Gießkanne klingt, liessen den Set auf
Dauer etwas eintönig werden: Mit einem besseren
Sänger würden die Songs von Tanzwut erheblich
dazugewinnen!
Am späten Abend traten dann Schandmaul, die Headliner des
Festivals, auf: Mittlerweile war es proppenvoll
geworden, und so bekamen wir nur noch einen
Platz am Seitenrand der Bühne. Spieltechnisch
sind Schandmaul über jeden Zweifel erhaben: Da
wackelt nichts, und es gibt keine schiefen Töne
- doch mit ihrem Songmaterial geht es mir genau
so wie mit Blackmore's Night: Eine halbe Stunde
lang klingt alles ganz nett, aber genau wie bei
Zuckerwatte verpufft die anfängliche
Begeisterung ziemlich schnel! Am Besten gefiel
mir im Verlauf des Sets "Die Tür in mir",
wohingegen "Walpurgisnacht" gänzlich verpuffte.
Bei aller Kritik muss ich Schandmaul jedoch
zugute halten, daß sie einen eigenständigen
Sound kreiert haben, der sie deutlich von
anderen Bands dieses Genres unterscheidet und
über einen hohen Wiedererkennungswert verfügt.
Da wir nach dem Auftritt von Schandmaul noch
keinerlei Lust verspürten, das Festival zu
verlassen, fanden wir uns auf dem Burghof ein, wo
Feuerschwanz aufspielten und
dabei von Feuerschluckern und Gauklern begleitet
wurden. Dabei überraschten mich Feuerschwanz
positiv, denn noch vor 2 Jahren auf dem
Veldensteiner Burgfestival ging mir diese Band
tierisch auf die Nüsse - doch hier, im kleinen
Rahmen des fackelbeschienenen Burghofs, rissen
Feuerschwanz das Publikum mit ihrem
stimmungsvollen Mittelalter-Set richtiggehend
mit, wofür sie auch völlig zu Recht mit
"Flughafen"- und "Gorgonzola"-Rufen abgefeiert
wurden!
Nachdem Feuerschwanz und die Gaukler sich in den
wohlverdienten Feierabend bzw. Feiermorgen
verabschiedet hatten, wollten wir uns noch Eric
Fish anschauen, der bereits im Festsaal der Burg zu
spielen angefangen hatte, doch da im Saal keinen
Platz mehr gab, setzten wir uns kurzerhand draußen
vor dem Fenster auf eine Bank und lauschten dem
Künstler von dort aus. Ich hatte Eric Fish solo
zuvor noch nie gehört und mir eigentlich nichts
besonderes erwartet, daher war ich ziemlich
erstaunt, als mir da ein traditioneller aber
nichtsdestotrotz souverän vorgetragener Folk-Set zu
Ohren kam. Leider bekamen wir nur noch den letzten
Teil des Auftritts mit, der mit einer Cover-Version
des unverwüstlichen Neil Young-Klassikers "Rockin'
in the Free World" endete, und nach einem weiteren
Spaziergang diurch die mondbeschienene Nacht
begaben wir uns schliesslich zu unserem mobilen
Schlafplatz am Fuß der Burg.
Fazit: Ein sehr schön gestaltetes Festival mit
jeder Menge Schauwert und einem musikalisch
durchaus abwechslungsreichen Programm, wobei meiner
Favoriten eindeutig ASP und Feuerschwanz waren.
Übersetzung von "Goodbye To Jane" und "The Farewell"
Sid: Aber klar doch - hier kommt die Übersetzung von "Goodbye To Jane":
Schau das Mädchen am Boden
wie es den Regen beobachtet
der gleich einem Rinnsal aus Blut am Fenster entlangläuft
Über den Boden verstreut
liegen mit schwarzem Stift gezeichnete Bilder
die ein gefesseltes Kind ohne Mund zeigen
Ihre Mutter ist Einkaufen gegangen
und sie betet
daß ihr Vater nicht nach Hause kommen möge
Doch kein Gott hat sich je um Jane's Gebete gekümmert:
Ihr Vater kommt zurück, um mit Jane zu spielen!
Sie schliesst ihre Augen
um vor sich selbst zu fliehen
wie sie geschändet und missbraucht am Boden liegt
Es hätte keinen Zweck, sich irgendjemandem anzuvertrauen:
Wer würde Jane schon glauben?
Hass steigt in ihr empor
denn sie hat dies nicht verdient:
Ist es etwa ihre Schuld
daß ihr Vater diese Spiele spielt?
Verzweifelt versucht sie dahinterzukommen
was sie wohl falsch gemacht haben könnte
Schau das Mädchen am Boden
das es nicht länger ertragen kann
von lüsternen Händen besudelt zu werden
Ein solches Leben bedeutet ihr nicht viel
Der Gürtel um ihren Hals zieht sie sanft hinweg
Er schliesst die Tür
denn sie scheint nur zu schlafen
doch diese kranken Spiele werden nie wieder gespielt werden
Niemand konnte erklären
was mit Jane geschah:
Sie war nur eines von vielen Millionen Mädchen:
Leb wohl, Jane!
Und hier der deutsche Text von "The Farewell" ("Der
Abschied"):
Ich wollte auf dem Gipfel des Berges leben
doch ohne Dich ist es dort nun kalt und einsam
Ich wollte in den Ozean der Liebe eintauchen
doch stattdessen strandete ich am Ufer der
zerbrochenen Träume
Für Dich sang ich die Lieder des dunklen Schwans
und jede Zeile, die ich schrieb, war ein Schlag
meines Herzens
Für immer brennend auf dem Scheiterhaufen der Liebe
Hör nun auf zu schlagen, mein blutendes Herz
denn dieses Messer stach zu tief
und so versuche ich ein letztes Mal
meinen Atem anzuhalten
Einst brannte ein helles Licht im Leuchtturm meines
Herzens:
Ich gab Dir so viel mehr als nur meine Liebe
und Du brachst so viel mehr als nur ein Versprechen
Unser Planet versank so verheerend
in den Nebeln der Zeit
Es gab keinen Schatz am Ende des Regenbogens zu
finden
irgendwo hinter Andromeda
Ich habe bis zum Ende des Dezembers gewartet
doch ich werde nie wieder ausreiten:
Das Kind der Wintersonnenwende
wird in einer Mitsommernacht unbemerkt entschwinden
Mögest Du nun also kommen, mein ach so romantischer
Engel
und kyrahnische Hymnen für mich singen
mich in Deinen Armen halten
mit welkenden Blüten bedecken
und mich hinunter zu meiner geliebten See tragen
Ich bin müde
so unglaublich müde
Bitte warte für mich unter der Mitternachtssonne
wo ich wieder singen und tanzen werde
und wo mein Lachen erneut
von den Bergen klingen wird
Oh, wie ich versucht habe
zu glauben
wie ich liebte und darum kämpfte
diesen Traum festzuhalten;
wie gerne ich leben wollte:
Doch nun gehe zurück an einen Ort
wo Liebe mehr ist als nur ein Wort aus fünf
Buchstaben
Und nun
da ich die Erinnerung an Dich
zum Abschied küsse
fange ich an
das Licht zu sehen...

Musikalische Einflüsse
Sid: Meine Einflüße sind vielfältiger Natur: Ich höre sehr gerne klassische Musik von Komponisten wie z. B. Beethoven, Wagner, Rossini, Lassus oder auch Palestrina, wohingegen ich aus dem Bereich der zeitgenössischen Musik Bands bzw. Interpreten wie The Pogues, Bruce Springsteen, Hidden Cameras, Tindersticks, The Good The Bad & The Queen, The Killers, Radiohead, The Clash, The Mekons, The Jam, Them, Joy Division, Blondie, Soft Cell, Social Distortion, Mink de Ville, Dead Can Dance, Mountain Goats, EA 80, Jonathan Richman, The Ramones, Sex Pistols, Magnetic Fields oder auch The Divine Comedy bevorzuge.
Näx: Beeinflußt wurde ich früh von der Salsa- und Andenmusik meiner peruanischen Mutter, was aber bei meinen heutigen musikalischen Aktivitäten so gut wie nie hörbar ist. Die frühen Pogues haben da schon hörbarere Spuren hinterlassen. Als musikalische Bezugsperson muß ich Tom Kannmacher nennen, der schon in den 70er Jahren auf traditionellen Instrumenten Musik gespielt und aufgenommen hat. Er hat mir auch die Bedienung der Uilleann Pipes beigebracht.
Musik, die ich gerne höre, weil sie mich berührt, stammt vor allem von der Bothy Band, Planxty, Liam O'Flynn, den frühen Pogues, Celtas Cortos und wer sonst noch irische Musik spielt oder sie mit jedweder anderer Musik verbindet. Daneben höre ich gerne den frühen Grandmaster Flash, Molotow Soda, Perotin, Afro Cuban All Stars, Dead Can Dance usw.

Verwechslungsgefahr
Sid: Ja, es kommt schon gelegentlich vor, dass die Leute Antichrisis irgendwie mit Antichrist in Verbindung bringen - doch damit hat der Bandname gar nichts zu tun: Antichrisis ist ein griechisches Anagramm, das sich mit "Heilige Tänze zu Ehren der Isis" übersetzen lässt. Außerdem gefällt mir die daraus resultierende Doppelbedeutung des Bandnamens, denn Antichrisis könnte ja genau so gut für "Anti-crisis" - also "gegen die Krise" - stehen...

Botschaft
Sid: Mein künstlerisches Ziel ist vermutlich das gleiche, das jeder Musiker hat: Die ständige und vergebliche Suche nach dem perfekten Song. Dieses Ziel wird man wahrscheinlich nie erreichen, aber man kann ihm manchmal zumindest recht nahe kommen... Auf diesem Weg möchte ich stets offen für Neues bleiben; außerdem möchte ich mich nicht wiederholen, weshalb ich mir auch das Ziel gesetzt habe, dass jedes Antichrisis-Album anders als sein Vorgänger klingen soll.
Beim Hörer möchte ich eigentlich nur Eines erreichen: Dass ihn die Musik berührt und ihm in den dunklen Momenten des Lebens Hoffnung und Zuversicht gibt. Ich möchte keinesfalls Musik machen, die den Hörer "runterzieht", selbst in meinen traurigsten Songs versuche ich immer wieder, einen Silberstreif am Horizont durchschimmern zu lassen, denn Trauer ohne einen Funken Zuversicht hinterlässt nur ein tiefes schwarzes Loch in der Seele.

Neue Wege
Sid: Naja, die Melodien waren auch schon auf "Cantara Anachoreta" enthalten, doch konnte mal sie unter all den verzerrten Gitarren nur schwer heraushören *gg*...
"Cantara Anachoreta" entstand in einer Zeit, als ich meinen Gefühle am Besten durch schwere E-Gitarren-Riffs und aggressivem Gesang Ausdruck verleihen konnte; denn damals waren Wut, Ohnmacht und Verzweiflung über eine sich abzeichnende Trennung die bei mir vorherrschenden Gefühle... Doch mit jedem neuen Album versuche ich, meinen Gefühlen einen differenzierteren Ausdruck zu verleihen und z. B. auch den schönen Seiten der Liebe mehr Raum zu geben. Jeder, der schon mal geliebt hat, kennt vermutlich all die emotionalen Stadien, die man nach einer Trennung durchläuft: Trauer und Zorn; die quälende Frage, was man falsch gemacht hat; die Erinnerung an die schönen Zeiten; die Tränen, wenn man sich alte Fotos anschaut... man durchläuft so viele unterschiedliche und extreme Gefühlszustände, und all diesen Facetten versuche ich in meinen Songs Form zu verleihen, weshalb z. B. Songs wie "Nightswan" und "Planet Kyrah" ein völlig positives Gefühl vermitteln, da ich bei diesen Stücken in den Erinnerungen an die guten Zeiten schwelge, während in Tracks wie "Trying not to Breathe" oder "The Farewell" die Raserei bzw. das Gefühl des Aufgebens und der Kapitulation den Grundton prägen.
Die vielfältigen Schattierungen in der Musik von Antichrisis rühren auch daher, daß ich beim Verfassen eines Songs niemals einer bestimmten Vorgabe folge: Manchmal bin ich selbst überrascht, in welche Richtung sich ein Stück entwickelt. Jeder Song wählt sich seinen eigenen Weg, indem sich der Inhalt die passende Form sucht - diese "Arbeitsweise" verhindert, daß Antichrisis auf eine fest umrissene Stilrichtung festglegt werden kann. Zwar finden sich in unserer Musik sowohl Elemente von Gothic, Dark Wave, Folk, Metal, Electronica usw., dennoch kann sie nicht auf nur eine dieser Spielarten reduziert werden, und sie ist auch weit davon entfernt, lediglich einen Crossover darzustellen, weil jedes dieser Elemente nur dann zum Einsatz kommt, wenn es die Geschichte, die ich in dem jeweiligen Song erzählen will, erfordert... Das mag jetzt vielleicht ein wenig kopflastig klingen, doch im Grunde genommen ist es ein völlig organischer Prozeß, der ganz von selbst abläuft und es mir erlaubt, mich eines äußerst breiten Spektrums unterschiedlichster Stilistiken zu bedienen.

Moonshadow
Sid: Ich spielte "Cantara Anachoreta" noch unter dem Pseudonym "Moonshadow" ein, doch kurz vor Veröffentlichung des Albums kam es zur Trennung von meiner damaligen Freundin, mit der ich zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre zusammengelebt hatte. Ich brach völlig zusammen und landete nach einem Selbstmordversuch für 3 Monate in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik. Dadurch verlor ich meinen Job, meine Wohnung, und musste völlig neu anfangen, den alle Verbindungen zu meinem alten Leben hatten sich aufgelöst - und somit war im übertragenen Sinne auch mein altes Ich gestorben; "Moonshadow" hatte zu existieren aufgehört.
Diese symbolische Wandlung wurde von einigen Magazinen fälschlicherweise als konkrete Todesmeldung interpretiert... ich fand es in diesem Zusammenhang nur etwas belustigend, dass diejenigen, die glaubten, Moonshadow wäre tatsächlich gestorben und durch Sid ersetzt worden, nicht merkten, dass sich der Sänger auf "A Legacy of Love" genau so anhört wie der auf "Cantara Anachoreta".
Moonshadow war zugegebenermaßen ein etwas prätentiöser Künstlername, den ich mir seinerzeit allerdings aus völlig unspektakulären Gründen zulegte: Es gibt einen gleichnamigen Song von Cat Stevens, der mir sowohl vom Text als auch von der Musik her schon immer ausgesprochen gut gefiel und daher fand ich, dass dieser Name gut zu mir und zu dem, was ich mit Antichrisis zum Ausdruck bringen wollte, passen würde.

News (German), April 2006
Die schlechten Nachrichten zuerst: Die Veröffentlichung von "The Legacy Remains" wird sich leider noch etwas verzögern! Da die Promotion-Kampagne für "A Legacy Of Love Mark II" erst in diesen Tagen beginnt (was bedeutet, dass der Teil der Öffentlichkeit, der bislang noch nicht mit dem Schaffen von Antichrisis vertraut war, "A Legacy Of Love Mark II" als Neuveröffentlichung im Mai 2006 ansehen wird) , wäre es in marketingtechnischer Hinsicht nicht besonders ratsam, "The Legacy Remains" innerhalb der nächsten Monate zu veröffentlichen. So werdet ihr wohl erst Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres das neueste Antichrisis-Album in euren Händen halten können...
Da in den letzten Monaten so viele neue Songs geschrieben und aufgenommen wurden, werden es allerdings nur die besten Stücke auf "The Legacy Remains" schaffen - und somit wird sich die Wartezeit auf das Album ganz bestimmt lohnen!
Ansonsten läuft jedoch alles bestens: Nach dem langen und dunklen Winter scheint sich nun endlich der Frühling hervorzuwagen, und ich freue mich schon auf die bevorstehenden Aufnahmen mit Antichrisis wie auch mit Blindflug, dem deutschsprachigen Bandprojekt von Bernd und mir.
Da ich auch gerne live auftrete, habe ich zusammen mit Bernd, Flo und Katja, der neuen Antichrisis-Sängerin, auch noch ein Nebenprojekt namens Folkstone Gang ins Leben gerufen. In dieser Formation spielen wir sowohl Cover-Versionen wie auch eigenes Material, und falls ihr zufällig aus Nürnberg oder Umgebung kommt, könnt ihr uns auch live sehen, und zwar am:
4. Juli 2006, im
Irish Castle in Nürnberg, und am
16. Dezember 2006 in der Pegnitzbühne e. V. in
Nürnberg
Um Verwechslungen zu
vermeiden, sei an dieser Stelle noch einmal
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei
den beiden o. a. Veranstaltungen um Auftritte der
Folkstone Gang und nicht von Antichrisis handelt:
Das soll nicht heissen, dass keine
Antichrisis-Songs dargeboten werden würden, aber
der Schwerpunkt liegt eindeutig auf anderem
Material. Nichtsdestotrotz bin ich sicher, dass ihr
diese eher "folkigen" Gigs geniessen werdet.
Diejenigen von euch, die ausschliesslich an
Antichrisis interessiert sind, wird es sicherlich
freuen zu hören, dass einer unserer seltenen
Unplugged-Auftritte (d. h. nur Katja, ich und eine
Akustikgitarre) im Rahmen des Balladentags am 24.
September 2006 in der Kofferfarbik Fürth
stattfinden wird. Der Balladentag wird von Florian
Baessler, einem außergewöhnlichen Sänger und
Gitarristen aus Erlangen, organisiert, und stellt
einen guten überblick über das kreative Schaffen
der Sänger- und Songwriter-Szene im Städtedreieck
Nürnberg - Fürth - Erlangen dar. Da es sich beim
Balladentag um ein kleines Festival handelt, wurde
die Spielzeit aller Künstler/Bands auf 15 Minuten
pro Auftritt beschränkt, doch Katja und ich werden
trotz der Kürze der Zeit einige alte wie auch neue
Antichrisis-Songs zu Gehör bringen (übrigens wird
bei dieser Veranstaltung auch Blindflug Unplugged
dabei sein). Bitte beachtet, dass der Auftritt von
Antichrisis Unplugged bereits um 15:20 beginnt; der
Eintritt ist frei.
Das ist alles für heute: Ich wünsche euch ein
glückliches Beltane - und habt Dank für eure
unermüdliche Unterstützung! Und wer weiss:
vielleicht sehen wir uns ja bei einer der oben
erwähnten Veranstaltungen? Ich würde mich freuen...

Vorbilder und Einflüsse
Sid: Ich schreibe ja alle Antichrisis-Songs - bis auf "How can I live on Top of the Mountain?", das auf traditionellen Irish Folk Tunes beruht und von Näx verfasst wurde - im Alleingang, und da ich privat über ein sehr breit gefächertes musikalisches Spektrum verfüge, höre ich die unterschiedlichsten Arten von Musik, sei es nun Klassik, Folk, Reggae, Bhangra, EBM, Britpop oder TripHop - ich finde in nahezu jeder musikalischen Richtung Songs, die mir gefallen.
Die vielfältigen Schattierungen in der Musik von Antichrisis rühren auch daher, daß ich beim Verfassen eines Songs niemals bestimmten Vorgaben folge: Ich lasse mich einfach überraschen, in welche Richtung sich ein Stück entwickelt. Jeder Song wählt sich seinen eigenen Weg, indem sich der jeweilige Inhalt seine passende Form sucht - diese "Arbeitsweise" verhindert, daß Antichrisis auf eine fest umrissene Stilrichtung festglegt werden kann. Zwar finden sich in unserer Musik sowohl Elemente von Gothic, Dark Wave, Folk, Metal, Electronica usw., dennoch kann sie nicht auf nur eine dieser Spielarten reduziert werden, und sie ist auch weit davon entfernt, lediglich einen Crossover darzustellen, weil jedes dieser Elemente nur dann zum Einsatz kommt, wenn es die Geschichte, die ich in dem jeweiligen Song erzählen will, erfordert... Das mag jetzt vielleicht ein wenig kopflastig klingen, doch im Grunde genommen ist es ein völlig organischer Prozeß, der ganz von selbst abläuft und es mir erlaubt, mich eines äußerst breiten Spektrums unterschiedlichster Stilistiken zu bedienen.
Als Songwriter bin ich wohl am meisten von Künstlern wie Joe Strummer & Mick Jones, Stephin Merritt, Joel Gibb, Bruce Springsteen, Shane MacGowan, Billy Bragg, Ian Curtis, Kirk Brandon, Paul Weller und Lisa Gerrard beeinflusst worden, obwohl man deren Einflüsse aus meinen Songs vermutlich nicht unbedingt heraushört.
Ansonsten höre ich keine Bands, die ähnlich wie Antichrisis klingen - schlichtweg deshalb, weil es keine gibt, die sich direkt mit uns vergleichen liessen, auch wenn in der Vergangenheit schon Parallelen zu Bands und Interpreten wie Blackmore's Night, Wolfstone, Lacrimosa, Cranberries oder Mike Oldfield gezogen wurden - doch alleine schon an dieser Auflistung lässt sich erkennen, wie schwer Antichrisis einzuordnen ist.
Neben meiner Arbeit mit Antichrisis produziere ich z. Zt. auch ein deutschsprachiges Projekt namens Blindflug, von dem es unter http://www.blindflugonline.de Outtakes aus unserer aktuellen Vorproduktion zu hören gibt.

Zu geringer Output?
Sid: Wie lange benötigen denn Bands wie Metallica, Nine Inch Nails, Pink Floyd, Depeche Mode oder Guns N' Roses für ein neues Album? Und dabei handelt es sich bei diesen Künstlern um "hauptberufliche" Musiker, die sich ganz auf ihre Musik konzentrieren können und nicht noch nebenbei arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Es mangelt mir keinesfalls an Ideen, aber wenn ich auf die letzten 10 Jahre zurückschaue, dann stelle ich fest, dass ich ein ziemlich bewegtes Leben mit extremen Höhen und Tiefen hinter mir habe: ich saß in der Zeit 2 x in der Psychiatrie, habe einige extrem schmerzhafte Trennungen hinter mir, aufgrund derer ich meinen jeweiligen Wohnort wechseln und jedes Mal wieder einen kompletten Neuanfang machen musste; um meine körperliche Gesundheit stand es aufgrund dieser Vorkommnisse ebenfalls nicht immer zum Besten usw. Daher wundert es mich eigentlich, dass die bisherigen Alben überhaupt entstehen konnten, denn ich bin alleine für das Songwriting zuständig und mache auch die ziemlich aufwändigen Vorproduktionen im Alleingang.
Hinzu kommt, dass Ärger mit der Plattenfirma auch nicht gerade dazu angetan ist, die Produktivität zu steigern - erst jetzt, wo wir bei Reartone Records unter Vertrag sind, kann ich mich endlich mal einigermassen entspannt zurücklehnen und nur um die Musik kümmern, weil das Label voll und ganz hinter der Band steht und einen mehr als ordentlichen Job macht.

Schaffensphasen
Sid: Für mich sind die jeweiligen Schaffensphasen von Antichrisis in erster Linie mit den emotionalen Zuständen verbunden, in denen unsere Alben entstanden: während der Aufnahmen zu "Cantara Anachoreta" zerbrach gerade eine fast 7-jährige Beziehung, so dass ich in die Songs dieses Albums meine ganze Wut und meinen Schmerz legte - da blieb kein Raum mehr für irgendwelche positiven Gefühle.
Auf "A Legacy of Love" fand zwar ein ähnlicher Prozess statt, aber diesmal auf vielschichtigere Art und Weise: zwar waren auch hier Schmerz und Trauer im Übermaß vorhanden, weil ich schon wieder einen geliebten Menschen verloren hatte, doch ich ließ gleichzeitig eine Ambivalenz zu, der ich mich auf "Cantara Anachoreta" noch verweigert hatte: mit Songs wie "Nightswan" oder "Dancing in the Midnight Sun" räumte ich den positiven Aspekten dieser Liebe ihren Platz ein, auch wenn dies zum damaligen Zeitpunkt leider nur in Form eines wehmütigen Rückblicks erfolgen konnte. Aber es ist genau diese Ambivalenz, die "A Legacy of Love" so besonders macht, weil dort Liebe und Schönheit, Trauer und Wut gleichberechtigt nebeneinander stehen und die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle in Bezug auf den Verlust einer Beziehung widerspiegeln.
So gesehen war "Perfume" das einzige Album, bei dessen Entstehung es mir rundherum gut ging - ausnahmsweise gab es keine verlorene Beziehung, die aufgearbeitet werden musste; stattdessen war ich glücklich verliebt, und das hört man der Scheibe auch an: ich musste nicht mehr wie noch auf "Cantara Anachoreta" und "A Legacy of Love" gegen die Wogen der Verzweiflung ankämpfen.
Ich lass' mich mal überraschen, in welcher Lebenssituation ich mich bei den Aufnahmen zu unserem nächsten Album "The Legacy remains" befinden werde.

Schicksalsschläge
Sid: Ich glaube, ich bin mittlerweile schon so oft abgestürzt, dass ich eine gewisse Routine im "wieder-auf-die-Beine" kommen entwickelt habe. Leicht ist es mir nie gefallen, denn es fühlte sich jedes Mal so an, als ob ich meine persönliche Schmerzgrenze erreicht oder sogar überschritten hätte. Bezeichnenderweise standen all diese Abstürze immer in Zusammenhang mit Beziehungen beziehungsweise deren Ende - aber Liebe macht nun mal sehr verletzlich, und je mehr man liebt, desto verletzlicher wird man. Es ist wirklich eine merkwürdige Sache: einerseits kann einem Liebe unendliche Kraft verleihen und zu Taten beflügeln, die man alleine nie für möglich gehalten hätte, doch andererseits kann sie einem auch die schmerzhaftesten Niederlagen und die größten Tiefschläge zufügen, bis man nur noch wie ein Häufchen Elend in der Ecke kauert...
Mir hat immer meine Musik geholfen, um mich aus diesem Schlamassel wieder herauszuziehen - ich glaube, wenn ich damals nicht die Songs zu "A Legacy of Love" geschrieben hätte, um meinem Schmerz eine Gestalt zu verleihen, so dass er mich nicht mehr innerlich zerfressen konnte, würde ich heute nicht mehr hier sitzen: das Schreiben der Songs wurde zu einer Art Überlebenstraining für mich...

News (German), Januar 2006
Ein neues Jahr ist gekommen, und die Arbeit an unserem neuen Album schreitet bestens voran, so dass "The Legacy remains" voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2006 bei unserem Lieblingslabel Reartone Records erscheinen wird. Wir haben bislang 23 Songs aufgenommen, von denen es jedoch nur 12 oder 13 auf das Album schaffen werden; die letztendliche Auswahl wird allerdings erst erfolgen, wenn alle Stücke komplett abgemischt sind.
Im Lauf des letzten Jahres hat Bianca die Band verlassen, doch mit Katja haben wir mittlerweile eine mehr als ebenbürtige Nachfolgerin am Mikrophon gefunden, die im Studio bereits ihre Feuertaufe bestanden hat und sowohl musikalisch als auch menschlich bestens zu Antichrisis passt.
Durch diesen Personalwechsel haben wir in Bezug auf die Produktion von "The Legacy remains" mal wieder etwas mehr Arbeit als geplant bekommen, da nun natürlich alle Stücke, die wir bereits mit Bianca im Studio aufgenommen hatten, von Katja neu eingesungen werden müssen, doch auf den geplanten Veröffentlichungstermin des Albums dürfte dies keine größeren Auswirkungen haben.
Darüber hinaus haben wir mit Bernd einen neuen Webmaster an Bord (In diesem Zusammenhang ein herzliches Dankeschön an unseren bisherigen Webmaster Jens für seine hervorrragende Arbeit - er hat sich die Entlastung redlich verdient!), der auch ein fantastischer Sänger und Songwriter ist (schaut einfach mal unter http://www.bew-music.de und http://bew-music.blogspot.com nach), mit dem ich derzeit an einem deutschsprachigen Side-Projekt namens Blindflug arbeite, das äußerst vielversprechende Formen annimmt.
Habt Dank für euer Feedback, eure unermüdliche Unterstützung und eure Treue!
Mit den besten Grüßen an euch alle!

News (German), Juli 2005
Das Leben ist schon eine merkwürdige Sache: Irgendwie scheint es immer anders zu kommen, als man denkt; was gestern noch dauerhaft und unzerstörbar erschien, ist morgen schon wieder entschwunden wie Nebelschwaden im Licht der Morgensonne. Dummerweise hat Schmerz die schlechte Angewohnheit, die künstlerische Kreativität zu beflügeln (zumindest so lange er den Grad nicht überschreitet, ab dem er nur noch lähmend wirkt - aber das kenn ich ja schon zu Genüge!), so dass mehr als genügend Inspiration für die nächsten Alben von Antichrisis gewährleistet ist (Achtung: Sarkasmus!).
Doch abgesehen vom Privatleben des Meisters gedeiht Antichrisis prächtig: Dass die Aktualisierung unserer Website so lange auf sich warten ließ, hatte in erster Linie damit zu tun, dass ich umgezogen bin und daher erst mal meine gesamten Habseligkeiten von A nach B schaffen musste, bevor ich wieder Kontakt mit der wundersamen Welt des Internets aufnehmen konnte. Mittlerweile sind jedoch alle diesbezüglichen Arbeiten erledigt, und ich kann mich wieder mit frischer Kraft und neuen Ideen um die Produktion unseres bevorstehenden Albums "The Legacy remains" kümmern.
Diesbezüglich wird es in nächster Zeit sowieso noch einige positive Überraschungen und interessante Neuigkeiten geben, doch die will ich mir für das nächste Website-Update aufheben.
Dafür gibt es wie mehrfach gefordert wieder meine derzeitige persönliche Top 10-Liste, die jedoch aufgrund meiner Entscheidungsunfähigkeit zu einer Top 30-Liste angewachsen ist:
"Teignmouth" -
Patrick Wolf
"I'm waking up to us" - Belle & Sebastian
"Turning of the Tide" - Midnight Choir
"Love hurts" - Emmylou Harris & Gram Parsons
"We oh we" - The Hidden Cameras
"Smile at Everyone" - Minor Majority
"Understanding Jane" - Icicle Works
"Balkon gegenüber" - Kettcar
"I lost it" - Lucinda Williams
"One thing" - Runrig
"So called Friend" - Texas
"When you were my Baby" - The Magnetic Fields
"Head on" - Pixies
"Uncertain Times" - The Raveonettes
"Serenade" - Dover
"Goodbye Horses" - Q Lazzarus
"If I told you you were beautiful" - Minor Majority
"I will not forget you" - Sarah McLachlan
"To win just once" - Saw Doctors
"The last Beat of my Heart" - Siouxsie & The
Banshees
"Live before you die" - Social Distortion
"Reconsider me" - Moneybrother
"Buried Bones" - Tindersticks
"Neon Moon" - Midnight Choir
"Common People" - William Shatner
"Please don't leave" - The Ramones
"Like a Cannibal" - Mila Mar
"Ode to L.A." - The Raveonettes
"Landungsbrücken raus" - Kettcar
"Come back from San Francisco" - The Magnetic
Fields
Und nicht vergessen: die limitierte
Digipack-Edition von "A Legacy of Love Mark II" ist
noch immer bei Playbaker zu einem äußerst günstigen
Preis zu bekommen!
Zu guter letzt noch ein Zitat des viktorianischen
Dichters Alfred Lord Tennyson, das mir aufgrund der
Ereignisse der letzten Wochen erneut in den Sinn
kam:
I hold it true,
whate'er befall;
I feel it, when I sorrow most;
'Tis better to have loved and lost
Than never to have loved at all.
Alfred Lord Tennyson (1809 - 1892)
"In Memoriam" (1850)
Mit den besten Grüßen an euch alle!

Experiment
Sid: "Perfume" erschien zu einem Zeitpunkt, als es zu den bereits erwähnten Scherereien mit Napalm gekommen war, weshalb von Seiten des Labels auch kein Interesse mehr Bestand, dieses Album noch in irgendeiner Form effektiv zu promoten. Napalm warf uns ja sogar vor, dass Antichrisis auf dem Album wie Tic Tac Toe klingen würden, worauf ich entgegenete, dass ich überhaupt nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn Napalm von "Perfume" ebenso viele Einheiten wie Tic Tac Toe verkaufen würde.
Ich glaube, wir sind eine der wenigen Bands in der Musikgeschichte, die sich von Seiten der eigenen Plattenfirma den Vorwurf anhören musste, das sie "zu kommerziell" sei...
Daher bist Du leider nicht der Einzige, an dem "Perfume" völlig spurlos vorüber ging - auch wenn ich dem Album im Nachhinein eher mit zwiespältigen Gefühlen gegenüberstehe: Es stellte zum damaligen Zeitpunkt ein Experiment dar, bei dem ich mal eine andere Arbeitsweise ausprobieren wollte - doch ein Experiment kann mitunter auch daneben gehen: Songs wie "Like the Stars", "Goodbye to Jane" oder "Hole in my Head" halte ich auch aus heutiger Sicht noch für äußerst gelungen, wohingegen einige andere Tracks nicht die Wirkung entfalten konnten, die sie hätten haben können, wenn ich ich sie anders strukturiert hätte. Ich wollte viel Raum für Improvisationen lassen und keine detaillierte Ausarbeitung wie noch auf "A Legacy of Love" vornehmen. Diese Methode hatte zwar ihren Reiz, führte letztendlich aber dazu, dass "Perfume" weitaus weniger geschlossen als "Cantara Anachoreta" oder "A Legacy of Love" klingt. Wie gesagt: Es sind einige sehr gute Songs darauf enthalten, aber als Album funktionierte es nicht.
Wie auch immer - ich habe aus diesem Experiment gelernt und festgestellt, dass meine Songs dann am stärksten sind, wenn ich sie über die Melodie entwickle und nicht über Drum-Grooves und Bass-Lines, wie ich es auf "Perfume" getan habe.

Neuaufnahme
Sid: Das wäre sicherlich eine interessante Angelegenheit - aber andererseits möchte ich lieber an neuen Songs arbeiten. Die Neuaufnahme von "A Legacy of Love" stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar, die einfach notwendig war, um die musikalische Brücke zu "The Legacy remains" zu schlagen, wohingegen ich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt kein Album in Planung habe, das an den Sound von "Cantara Anachoreta" anknüpfen würde.
Ich denke nicht, dass man den "Cantara"-Songs - mit Ausnahme von "Goodbye to Jane", das wir aus genau diesem Grund für "Perfume" nochmals neu eingespielt hatten, durch eine _Überarbeitung einen großen Gefallen tun würde, denn der besondere Reiz von "Cantara Anachoreta" liegt nun mal gerade in seiner Räudigkeit und Imperfektion: es knarzt und kratzt an allen Ecken und Enden, und dieser Effekt steht den Songs meiner Ansicht nach ziemlich gut zu Gesicht.

News (German), Januar 2005
Das Warten hat ein Ende!
“A Legacy of Love Mark II” wurde kürzlich als Digipack in völlig neuer gestalterischer und musikalischer Bearbeitung auf Reartone Records veröffentlicht.
Die Songs wurden musikalisch weiter entwickelt, neu arrangiert und eingespielt. Das Booklet wurde optisch den Songinhalten angepasst und somit ebenfalls komplett überarbeitet und neu gestaltet.
Durch die neue Interpretation und Verkürzung einzelner Stücke konnte das in der früheren Version entfallene “End of December" als Bonustrack in die Titelliste mit aufgenommen werden.
Insgesamt wirkt das Album durch die erfolgte Überarbeitung wesentlich kompakter und erlebt durch die musikalischen Neuinterpretationen eine gelungene Weiterentwicklung gegenüber der vergriffenen Original-Version “A Legacy of Love”.
Um die unfaire Preispolitik der Musikindustrie auszuhebeln haben wir uns für ein Vertriebsmodell entschieden, das es uns ermöglicht, “A Legacy of Love Mark II” trotz aufwendiger Gestaltung und des mit der Neueinspielung betriebenen Aufwands wesentlich günstiger als vergleichbare CD's anbieten zu können. Aus diesem Grund wird das Album zunächst ausschliesslich über www.playbaker.de zu beziehen sein.
So viel für heute - wir werden euch über unsere weiteren Aktivitäten an dieser Stelle auf dem Laufenden halten.
Mit den besten Grüßen an euch alle!

News (German), Dezember 2004
Wir haben es geschafft: Die Neuaufnamen und der Remix von “A Legacy of Love” sind endlich abgeschlossen! Das Album wird in den nächsten Wochen in einer Digipack Edition inklusive Bonus-Track erscheinen; über das genau Erscheinungsdatum werden wir euch an dieser Stelle noch frühzeitig informieren.
Das Album wird den Titel “A Legacy of Love Mark II” tragen: “Mark II” deshalb, weil es im Grunde genommen eine Art “Update” der 1998 erschienenen Originalversion von “A Legacy of Love” darstellt: Wir haben lediglich die ursprünglichen Gesangsaufnahmen sowie einige Instrumentalsoli beibehalten; alle anderen Spuren wurden vom neuen Antichrisis Line-up komplett neu eingespielt und arrangiert.
Ich war mit der ursprünglichen Version von "A Legacy of Love" nie völlig zufrieden, da Antichrisis zum damaligen Zeitpunkt eher nach einem Ein-Mann-Projekt als nach einer richtigen Band klang - kein Wunder, da ich damals die meisten Instrumente selbst eingespielt hatte. Da ich aber nach wie vor hinter den Songs von "A Legacy of Love" stehe, wollte ich die Gelegenheit nutzen, den aktuellen Bandsound von Antichrisis, den ich schon damals im Hinterkopf hatte, festzuhalten. Und da unsere Fans immer wieder nach einer Neuauflage des Albums fragten, da es auf legalem Weg nicht mehr verfügbar war, wollten wir gleich Nägel mit Köpfen machen.
Mein ganz besonderer Dank an dieser Stelle geht an Jens, Tilo, Kugator & Näx: Ohne eure Hilfe wäre “A Legacy of Love Mark II” nicht zu dem geworden, was es jetzt ist!

News (German), September 2004
Wir haben in den letzten Wochen sowohl an der Fertigstellung der Vorproduktion unseres neuen Albums als auch an der Wiederveröffentlichung von “A Legacy of Love” gearbeitet, wobei der Begriff “Wiederveröffentlichung” eigentlich eine leichte Untertreibung darstellt, denn wir belassen es nicht nur bei dem in solchen Fällen üblichen Re-Mastering und Re-Mixing, sondern wir spielen darüber hinaus die Keyboards und Gitarren für “A Legacy of Love” völlig neu ein: Die E-Drums, die wir seinerzeit verwendet haben, sind bereits herausgeflogen und durch Kugators Schlagzeug ersetzt worden.
Alles in allem wird “A Legacy of Love” also komplett überarbeitet, restauriert, editiert und mit einem zusätzlichen Bonus-Track versehen werden, bevor wir die CD voraussichtlich Ende des Jahres wiederveröffentlichen: Wer das Album bislang schon mochte, wird von dieser Neuauflage vermutlich hellauf begeistert sein!
Viele von euch haben mir geschrieben und sich beklagt, dass sie die Rubrik der persönlichen Top-Ten-Hits, die auf unserer alten Website enthalten war, schmerzlich vermissen. Daher als Entschädigung an dieser Stelle eine kleine Auflistung meiner derzeitigen Lieblingssongs:
Life fades away - Roy Orbison
Don’t play that Song (You lied) - Ben E. King
Levi Stubb’s Tears - Billy Bragg
Warning Sign - Coldplay
Brand New Start - Paul Weller
Love is Only a Feeling - The Darkness
Mary’s in India - Dido
With Whom to dance - The Divine Comedy
Duke of Earl - Gene Chandler
Boys of Melody - The Hidden Cameras
Sleep Well Tonight - Inspiral Carpets
Ascension - Kirlian Camera
Du sälde vära hjärtan - Lisa Ekdahl
Pillar of Davidson - Live
The Gift - Midge Ure
Dark Island - Mike Oldfield
Whale - Rescue Mission
Hear My Song - Vernon Midgely
Ring on the Sill - Cowboy Junkies
Until the Morning Comes - Tindersticks
Ciega Sordomuda - Shakira
All My Little Words - The Magnetic Fields
These Arms of Mine - Otis Redding
Shakin’ all over - Johnny Kidd & The Pirates
Say Hello Wave Goodbye - David Gray
So viel für heute - wir
werden euch über unsere weiteren Aktivitäten an
dieser Stelle auf dem Laufenden halten.

Lieblingssongs
Sid: Klar kenne ich das - allerdings sind es bei mir nicht so sehr Bands an sich, die diese Gefühle auslösen, sondern einzelne Lieder bzw. Stücke - so z. B. Pachelbels Kanon, der III. Satz aus Beethovens 9. Symphonie, der Liebestod aus Wagners "Tristan und Isolde", "For my fallen Angel" von My Dying Bride, "Sanvean" von Dead Can Dance, "Tunnel of Love" von den Dire Straits, "New Dawn Fades" von Joy Division, "If I should fall behind" von Bruce Springsteen, "The Memory of Trees" von Enya, "Up the Junction" von Squeeze, "Shanagolden" von Paddy Day, "Let Down" von Radiohead, "Pillars of Davidson" von Live, "From Adam to Eve" von Nigel Kennedy, "Will You?" von Hazel O'Connor, "Lonesome Highway" von Shane McGowan, "End of the Line" von Mink de Ville, "Hollywood Holiday" von True West, "The Siren of the Woods" von Therion, "Road to Somewhere" von Mark Beer, "With whom to dance" von The Divine Comedy, "Rock'n'Roll Suicide" von David Bowie, "All my little Words" von The Magnetic Fields, "When the Music's over" von den Doors, "This Man, this Street, this Life" von den Cowboy Junkies, "My lonely Sad Eyes" von Them, "Love hurts" von Nazareth, "I gotta be strong" von Gene Pitney, "One" von U2, "Leader of the Pack" von den Shangri-Las, "Here" von den Tindersticks, "Boys of Melody" von The Hidden Cameras...und so könnte es noch endlos weitergehen!
Näx: Oh ja, das ist immer noch die beste Musik, die von den Ohren direkt ins zentrale Nervensystem geht, unter Umgehung des Haupthirns. Genial! Dieses Gefühl erzeugen bei mir vor allem einige Balladen von Loreena McKennitt, die schnellen Sets der Bothy Band und der "Buuredanz" und "Pänz, Pänz, Pänz" von den Bläck Föss...

Multiinstrumentalisten?
Sid: Ich bin absoluter Autodidakt und übe auch so gut wie nie, weshalb ich im Gegensatz zu Näx kein guter Musiker im technischen Sinne bin - aber es gelingt mir dennoch, mit einfachen Mitteln gute Songs zu schreiben. Zwar finde ich mich auf vielen Instrumenten einigermaßen zurecht, "beherrschen" würde ich das jedoch nicht nennen. Näx hingegen hat das Spielen auf dem Dudelsack wirklich erlernt und ist auch definitiv ein Virtuose - nicht nur auf diesem Instrument! Zum Üben kann ich mich nie aufraffen, weil mir das zu langweilig ist: Sobald ich mich mit einem Instrument hinsetze, kommt mir meist schon eine Songidee, die ich dann ausarbeiten möchte...
Näx: Mit 6-7 wollte ich unbedingt Geige lernen, was ich dann auch sechs Jahre lang versuchen durfte, bis ich keinen Spaß mehr daran hatte. Mit 15 habe ich mir mit Nachhilfeunterricht meine erste Gitarre verdient und mir die legendäre und weltweit bekannte Schrammeltechnik beigebracht. Irgenwann danach hörte ich dann zum ersten Mal die Pogues, die Dubliners und schließlich die Bothy Band und war prompt vom irischen Virus infiziert. Also besorgte ich mir eine Mandoline (die wie die Violine gestimmt ist), dazu Tin Whistles und Dance Tunes. Der Hit war aber, daß ich aus der Zeitung erfuhr, daß es in Bonn einen Uilleann Pipes-Lehrer gab: Tom Kannmacher - einer der Wegbereiter des Folkrevivals im Deutschland der 70er und 80er Jahre. Also ging ich mit 18 Jahren wieder in die Musikschule, baute ein Instrument und bekam regelmäßigen Unterricht. Mit Eintritt in das Studentenleben fiel der Unterricht dann wieder weg, aber der gute Kontakt zu Tom blieb erhalten. So musiziere ich seither in verschiedenen Folkbands und vor allem in irischen Sessions. Man bleibt so in Übung und lernt nie aus, obwohl diese Praxis mit dem Studienende leider abnimmt.

Zu wenig Interviews?
Sid: Fotos oder Interviews haben für mich nichts mit der eigentlichen Musik zu tun, sondern dienen lediglich der Schaffung eines Images, an dem sich wiederum die Hörerschaft orientiert, was eigentlich idiotisch ist, denn Musik sollte immer für sich selbst und losgelöst von allen sonstigen Faktoren sprechen.
Ich finde Interviews grundsätzlich dann interessant, wenn sie mich zum Nachdenken zwingen und ich nicht einfach irgendwelche Standardantworten abspulen muß. Wenn ich selbst dabei noch hinterfragt werde, um so besser! Persönliche Interviews sind mir diesbezüglich am liebsten, weil sich aus ihnen noch am ehesten ein Dialog entwickeln kann, doch an sich kommt es wirklich auf die Qualität der Fragen an und darauf, wie stark sich der Interviewer mit der Arbeit des Befragten beschäftigt hat.
Fotografien? Presse und Hörerschaft verlangen danach, mir selbst sind sie eher unwichtig, denn ich weiß ja, wie ich aussehe und - an dieser Stelle teile ich die Einstellung von Dead Can Dance - es lenkt u. U. von der Musik ab, weil durch jedes Bild sofort eine optische Kategorisierung durch den Betrachter vorgenommen wird. Daher versuche ich, die Cover von ANTICHRISIS so zu gestalten, daß sie nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Musik zulassen und dennoch eine harmonische Einheit mit ihr bilden.
Näx: Ich persönlich gebe am liebsten persönliche, telefonische oder schriftliche Interviews, wobei letztere den einzigen Vorteil haben, daß ich sie beantworten kann, wann ich will. Auch wenn ich lieber Musik mache, rede ich auch darüber oder über mich. Wenn's die Menschen interessiert sollen sie ruhig zu Hauf losfragen und die Antworten abdrucken. Ich sperre mich nicht gegen Interviews oder Fotos und schon gar nicht mit dem Argument, daß die Musik im Vordergrund stehen sollte. Schließlich steht, vielmehr klingt Musik ja nicht nur für sich allein, sondern sie wird von Menschen vermittelt und hörbar gemacht, die dies aus einem bestimmten Grund und in einer bestimmten Stimmung und in einer Bestimmten Art tun. Möchte ein Hörer nicht nur wissen, daß eine Musik so klingt wie sie klingt, sondern auch, warum sie so klingt, so ist er auf Informationen über die Musiker und am besten auf Informationen von den Musikern selbst angewiesen. Solche Auskünfte erweitern das Verständis für die Musik um solche Aspekte, die sich gerade nicht durch den Klang alleine vermitteln lassen.

Aura des Geheimnisvollen?
Sid: Wenn die Fragestellung interessant ist, beantworte ich Interviews durchaus gerne; werden dagegen nur die üblichen Standardfragen gestellt, ist es natürlich eher langweilig, weil man zum x-ten Male ein- und dieselben Statements von sich gibt. Ansonsten sind Interviews wahrscheinlich für jede(n) MusikerIn eine zweischneidige Angelegenheit, denn u. U. geht für die Beantwortung derselben sehr viel Zeit drauf, die man lieber für das eigentliche Musikmachen verwenden würde. Doch natürlich will man den eigenen Bekanntheitsgrad erhöhen, und somit gehören Interviews zum täglichen Brot in der Musikbranche - dementsprechend sollte man sich entsprechend Mühe damit geben.
Ich habe eigentlich nie beabsichtigt, Antichrisis mit der Aura des "Geheimnisvollen" zu umgeben: Mir geht es lediglich darum, meine Musik nicht über irgendein festgelegtes Image zu verkaufen, sondern jede Art von Assoziation zuzulassen. Ich möchte vermeiden, daß Antichrisis in irgendeine Schublade gesteckt wird...

DJ Sid?
Näx: Ich finde es nicht verwerflich, wenn zu grooviger Musik ein wenig gerappt wird. Long live Grandmaster Flash and The Furious Five! Immerhin ist Rap die extremste Form, Sprache zu rhythmisieren, von Reinhard Mey's genialen Reimereien mal abgesehen. O.k., Antichrisis ist keine echte Gangsta Rap Crew, aber Tic Tac Toe ist das schliesslich auch nicht...
Sid: Ich kann mich für viele unterschiedliche Musikstile begeistern - es zählt nur, ob ein Song gut oder schlecht ist, und nicht, welcher musikalischer Stilmittel er sich bedient...und ich sehe mir tausendmal lieber einen guten Gig von Seeed an, als mir den xten Aufguss des immer gleichen, mittlerweile völlig zur leeren Pose erstarrten Gothic-Metal-Konzepts anzutun! "Like the Stars" ist nun mal ein Dancefloor-Song und verlangte daher auch nach dem Einsatz der entsprechenden Stilmittel. Wenn ich die Idee für einen Song habe, frage ich niemals danach, welche musikalischen Ausdrucksformen ich dabei zum Einsatz bringen darf und welche nicht - eine solche Form der Selbstzensur wäre der Tod meiner Musik!
Ich war zugegebenermassen zunächst selbst überrascht, als ich während der Vorproduktion feststellte, dass "Like the Stars" mit dem Sprechgesang in den Strophen am besten funktioniert, und ich stellte fest, dass es keine leichte Aufgabe ist, einen Text zu schreiben, der sich streng nach dem Diktat von Rhythmik, Versmaß und Reimschema zu richten hat. Im übrigen sind die meisten Leute, die "Perfume" bislang gehört haben, der Ansicht, dass wir "Like the Stars" unbedingt als Single hätten auskoppeln sollen.
Weniger Melancholie?
Sid: Die Arbeit an einem Album kann zwar helfen, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, so wie dies schon bei "A Legacy of Love" und "Cantara Anachoreta" der Fall war, doch die eigentliche Katharsis setzt erst mit dem nötigen zeitlichen Abstand ein: Manche Verarbeitungsprozesse brauchen eben ihre Zeit! Somit hatten die beiden ersten Antichrisis-Alben eine Art Tagebuch-Funktion: Ich dokumentierte mit den Songs meine eigenen Gefühle, um ihnen so Gestalt zu verleihen.
"Perfume" ist allerdings definitiv das erste Antichrisis-Album, auf dem ich als Songwriter keine Vergangenheitsbewältigung leisten musste, sondern mich völlig auf das Hier und Jetzt konzentrieren konnte - daher auch die kraftvollere und zuversichtlichere Grundstimmung des Albums. Darüber hinaus war es mir wichtig, Antichrisis auch einmal von einer anderen Seite zu zeigen, die in der Vergangenheit zu kurz kam: Nämlich als eine Band, die durchaus zu grooven versteht und deren Songs zum Tanzen geeignet sind.

Stilistischer Wandel
Sid: Wir haben lediglich unsere musikalische Basis erweitert und ausgebaut, was eigentlich eine ganz normale künstlerische Entwicklung sein sollte: Wir sind stets offen für Experimente, und wenn sich diese in Form guter Songs niederschlagen, setzen wir sie auch um. Dies war somit der einzige Bewertungsmassstab, den bei den Vorbereitungsarbeiten für "Perfume" anlegten: Betreiben wir hier Experimente um des Experiments willen, oder entwickeln sich daraus schlüssige Songs, die unsere Gefühle bestmöglich zum Ausdruck bringen und die dennoch neue musikalische Bereiche eröffnen? Daher empfinde ich "Perfume" weniger als Wandlung, sondern vielmehr als konsequente Weiterentwicklung - und das war schon immer eines der charakteristischen Markenzeichen von Antichrisis.

Wunschtraum
Sid: Mit meiner Geliebten gemeinsam bis ans Ende unserer Tage in einem Haus an der Küste von Cornwall zusammen zu leben - Ich hoffe schwer, daß das nicht nur ein Traum bleibt.

Sids musikalischer Werdegang
Sid: Puh, wo fang' ich da am besten an? Also: Als ich im Alter von 14 Jahren zum 1. Mal über genügend finanzielle Mittel dafür verfügte, legte ich mir eine elektrische Gitarre inklusive Verstärker zu und stellte unverzüglich fest, daß eine Gitarre zwar über 6 Saiten, ich hingegen lediglich über 5 Finger an einer Hand verfügte, was bedeutete, daß das herkömmliche System des Gitarrenspiels - zumindest so lange es mir nicht gelänge, Akkorde mit beiden Händen zu greifen und die Saiten mit der Nase anzuschlagen - für mich nicht funktionieren würde. Um diesem Umstand Abhilfe zu schaffen, reduzierte ich den Saitenbestand meiner japanischen Les-Paul-Kopie zunächst von 6 auf 2, was die Sache schon wesentlich einfacher machte, da nun meine Finger die Lufthoheit über dem Griffbrett hatten und ich dank dieser Einsparungsmaßnahmen endlich in der Lage war, sämtliche Songs meiner damaligen Helden, der Ramones, nachspielen zu können, womit mein künstlerischer Ehrgeiz zu diesem Zeitpunkt völlig ausgelastet war.
Ausgestattet mit solch atemberaubenden technischer Fertigkeiten begab ich mich darauf hin nach London, da ich in der Abgeschiedenheit meines elterlichen Heimatdorfes beschlossen hatte, ein Punk-Rock-Star zu werden: Dummerweise hatten die anderen Punks von diesem Entschluss nichts mitbekommen, so daß ich mit meinen diesbezüglichen Ambitionen lediglich so weit kam, ein einziges Mal in der Vorgruppe für die Vorgruppe einer drittklassigen Punkband (an dieser Stelle grüsse ich Antipasti....die hießen wirklich so!) in einem heruntergekommen Pub im Eastend zu spielen. Und als es nach 12 Monaten des Starruhms statt jubelnder Fanmassen immer noch lediglich Pommes aus der Mülltonne vor dem Fish'n'Chips-Shop gab, kehrte ich reumütig und hungrig in heimische Gefilde zurück, besessen von dem Gedanken, die depressivste Musik aller Zeiten zu machen (lag wahrscheinlich an den Fritten!). In diesem Zustand der Verwirrung und unter dem Namen Assorted State of Decay veröffentlichte ich 2 Demos, die ihrer Zeit so weit voraus waren, daß sie von der Öffentlichkeit vollständig ignoriert wurden und infolgedessen meine Berufswahl ("Verkanntes Genie") wesentlich erleichterten.
Den Duft des kommerziellen Erfolges schnupperte ich zum 1. Mal mit dem von mir danach ins Leben gerufenen Soloprojekt Temple of Loki, dessen erstes und einziges Demo sich sagenhafte zweiundzwanzigmal (22!) verkaufte. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen ermöglichte mir jedoch auch diese beeindruckende Erfolgsbilanz noch kein sorgenfreies Leben, weshalb ich weiterhin Lotto spielen und ins Allgäu ziehen mußte, um dort aus lauter Langeweile Cinnamoon zu gründen - wiederum ein Soloprojekt, dessen Symbiose aus Irish Folk und Punk die mit Temple of Loki erreichten Absatzzahlen glattweg verdoppelte.
Damit hatte mein kreativer Schaffensdrang jedoch noch längst nicht seinen Höhepunkt erreicht, da eine höchst originäre Idee anfing, in mir Gestalt anzunehmen: Ich würde einen gänzlich neuen Musikstil erschaffen, indem ich Punk-Riffs so langsam spielen würde, wie es noch nie ein Mensch zuvor getan hatte. Doch wie bei allen guten Ideen mußte ich auch in diesem Fall nur wenig später feststellen, daß sie bereits von ein paar langhaarigen, drogensüchtigen Bombenlegern aus England gestohlen und als "Doom Metal" verkauft worden war!
Durch diesen unverfrorenen geistigen Diebstahl ließ ich mich jedoch keineswegs beirren - im Gegenteil: Ich beschloß, etwas noch viel Ausgefalleneres zu kreieren und verfiel auf die bahnbrechende Idee, besagte Punk-Riffs stattdessen in irrwitziger Geschwindigkeit herunterzuschrubben und dazu skandinavische Volksliedtexte in meiner gefürchteten "Mr. Bean lost his Balls"-Tonlage zu rezitieren, doch auch in diesem Fall schreckten einige Stromgitarrespielenden und Haschischspritzenden norwegischen Pyromanen nicht davor zurück, sich meines Ideenreichtums zu bedienen und ohne Angabe des wahren Erfinders "Black Metal" in Oslo als Patent anzumelden.
Trotz all dieser Rückschläge veröffentlichte ich unter dem Namen Antichrisis im Jahre 1996 das legendäre Demo "Missa Depositum Custodi" - der Rest ist Geschichte...

Goodbye to Jane
Sid: Ich glaube nicht, daß sich unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen in Bezug auf die sogenannten Sexualdelikte - egal, ob es sich dabei um Kindesmißbrauch oder Vergewaltigung handelt - im positiven Sinne etwas ändern wird, denn dies sind systemimmanente Auswüchse einer auf männlichen Wertvorstellungen beruhenden Gesellschaftsform. Bereits eines der Grundlagenwerke des abendländischen Patriarchats, die Bibel, rechtfertigt die alleinige Verfügungsgewalt der Väter über ihre Kinder: So bestimmt z. B. ein Vater seine Tochter zum gottgefälligen Opfer einer Massenvergewaltigung (Richter 19.24); eine weitere Vaterfigur, Abraham, ist auf Gottes Anweisung hin ohne zu zögern bereit, seinem Sohn Isaac die Kehle durchzuschneiden (1. Mose 22.ff), und schließlich ist da noch dieser ominöse Gott selbst, der im Neuen Testament seinen angeblichen Sohn Jesus einem qualvollen Foltertod preisgibt - wahrhaft beeindruckende Beispiele des patriarchalen Verständnis von Vaterliebe.
Daher erscheint mir die erfolgreiche Bekämpfung von Kindesmißbrauch und Vergewaltigung ohne eine radikale Infragestellung der patriarchalen Gesellschaftsordnung an sich unmöglich - es gilt nicht, die Symptome auszumerzen, sondern das Übel an der Wurzel zu packen! Wieviel die körperliche und seelische Unversehrtheit einer Frau oder eines Kindes in unserer Gesellschaft wert ist, läßt sich schon daran erkennen, daß ein Delikt wie z. B. Steuerhinterziehung oftmals ein höheres Strafmaß für den Täter nach sich zieht, als das bei Vergewaltigung oder Kindesmißbrauch der Fall ist. Hinzu kommt, daß eine Frau, die sich gegen den Versuch einer Vergewaltigung so zur Wehr setzt, daß der Täter dabei zu Schaden kommt, selbst noch mit Strafverfolgung zu rechnen hat.
Darüber hinaus erlauben die legale Existenz von Pornographie und Prostitution sowie religiös-moralisch begründete Diskriminierungsmechanismen jedem Mann, sich die Verfügungsgewalt über eine Frau bzw. ein Mädchen anzumaßen - und wieso sollte diese vermeintliche männliche Omnipotenz ausgerechnet vor der eigenen Tochter halt machen?

Todesstrafe?
Sid: Nein, ich kenne weder den Film noch das Buch, und ich bin mir auch bewußt, daß es in einer Gesellschaft wie der unseren niemals eine Patentlösung für dieses Problem geben wird: Wäre die Todesstrafe das alleinseligmachende Mittel, dann dürfte es ja z. B. in den Staaten der USA, in denen sie vollstreckt wird, solche Delikte nicht mehr geben....Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, ist leider ebenso paradox wie einen Krieg zu führen, um Kriege zu beenden! Nichtsdestotrotz muß wie gesagt dem Opfer Gerechtigkeit widerfahren, und Gerechtigkeit kann eben auch den Tod des Täters bedeuten.
Näx: Oh, beim Punkt Todesstrafe muß ich mich auch einschalten. Davon halte ich nämlich überhaupt nichts, auch wenn ich ab und an spontan Mördern und Kinderschändern den Tod wünsche. Grundsätzlich sollte bei der Bestrafung von Vergewaltigern und allgemein triebgesteuerten Mördern (was nur die wenigsten Mörder sind) die Sicherheit der Opfer und der Öffentlichkeit im Vordergrund stehen und nicht der Satz: Der Mörder (Kinderschänder) ist immer das Opfer. Die größtmögliche Sicherheit vor den gefaßten Tätern (natürlich nicht vor den noch unbekannten) wird selbstverständlich erreicht, wenn diese Täter kurzerhand selbst getötet werden, denn: weg ist weg. Wie man das ethisch/moralisch/religiös werten soll, muß jeder mit sich ausmachen, ich selbst habe mit dieser pragmatischen Lösung meine Probleme. Sie bestehen darin, daß ein Richter nur verurteilen darf, wenn er davon überzeugt ist, daß das, was dem Täter zur Last gelegt wird, auch tatsächlich geschehen ist. Die Richter haben in dieser Frage einen wirklich schweren Stand, und es kommt dabei entscheidend auf die Beweise an. Nun besagt ein Urteil aber nicht, daß der Verurteilte auch der Täter ist, sondern nur, daß der Richter davon, aus guten Gründen, die er alle benennen muß, überzeugt ist. Meistens haben die Richter recht. Was aber ist, wenn sich ein Urteil Jahre später als falsch herausstellt, weil ein neuer Beweis aufgetaucht ist oder weil es neue Beweismethoden gibt? Ein Urteil kann aufgehoben werden, die unschuldig im Gefängnis verbrachten Jahre sind zwar weg, aber man lebt noch. Nur der Tod ist irreversibel. Es gibt viele Fälle, in denen sich nach Jahren herausstellte, daß ein wegen Vergewaltigung verurteilter Gefangener gar nicht der Täter gewesen sein konnte, weil man mittlerweile in der Lage ist, genetische Informationen zu verwerten. Der wirkliche Täter wurde darauf bald gefaßt. Wäre dieser Gefangene aber hingerichtet worden, so hätte die Rechtsordnung und damit die Gesellschaft dessen Tod zu rechtfertigen. In meinen Augen kann fehlende Beweissicherheit aber kein Rechtfertigungsgrund sein, weil ein gleich großer Schutz vor dem Täter erreicht wird, wenn er bloß weggesperrt wird, was im Zweifelsfall aber auch wirklich lebenslang bedeuten sollte. Für einen zu unrecht Verurteilten ist das zwar immer noch bitter, aber es besteht immerhin die Möglichkeit der Entlastung und der Entlassung, was nach einer Exekution nicht möglich ist. Diese Alternative halte ich daher für vorzugswürdig. Kurz: für mich schließt die Möglichkeit eines Fehlurteils die Todesstrafe aus.
Was die Resozialisierung von Vergewaltigern und Kinderschändern angeht, bin ich sehr zurückhaltend. Die Sicherheit vor Menschen, die sich in gefährlicher Weise nicht steuern können, geht für mich im Zweifelsfall vor. Daß der Kindesmißbrauch zugenommen hat, glaube ich nicht. Glücklicherweise wird das Thema derzeit aber so enttabuisiert, daß sich die Opfer trauen, über das Geschehene zu sprechen und die Täter (meistens Familienangehörige oder Bekannte) zu benennen. Es werden heute darum einfach mehr Fälle aufgedeckt und öffentlich gemacht als früher. Diese Atmosphäre finde ich wichtig, damit die Opfer sich eben nicht zurückziehen müssen, sondern Hilfe erhalten können und damit die Täter aus dem Verkehr gezogen werden. Hieran zeigt sich, daß Kindesmißbrauch kein strafrechliches Problem ist, sondern ein gesellschaftliches.
Die Rechtsordnung ist in den Fällen zu kritisieren, in denen ein einschlägig bekannter oder gar verurteilter Täter in die Freiheit gelangt und rückfällig (was für ein harmloses Wörtchen) wird. Mehr als die Bestrafung und Sicherung bekannter Täter kann man von der Rechtsordnung jedoch nicht verlangen. Eine generalpräventive Wirkung von Strafe auf Triebtäter halte ich für Quatsch, so daß die große Aufarbeitung des schrecklichen Phänomens Kindesmißbrauch der gesamten Gesellschaft in allen Ebenen aufgetragen ist. Ein Lied wie "Goodbye to Jane" kann das Bewußtsein in der Gesellschaft vom Kindesmißbrauch zumindest schärfen. Ich finde es gut, wenn die Auseinandersetzung mit diesem Thema auf allen (auch musikalischen) Ebenen geschieht.

Emanzipierte Frauen
Sid: Ich fürchte, mit dem Emanzipationsbegriff wird mittlerweile viel Schindluder getrieben: Wenn sich das Verständnis von Emanzipation lediglich darauf beschränken sollte, daß Frauen meinen, den gleichen Blödsinn wie Typen machen zu müssen (z. B. zur Armee gehen), läuft da meiner Ansicht nach etwas schief. Bedeutet Emanzipation jedoch, daß Frauen sich nicht mehr von Männern unterbuttern lassen und selbsbewußt und stolz ihren eigenen Weg gehen, Stärke zeigen und ihr Leben unabhängig von patriarchalen Normen selbstbestimmt in die Hand nehmen, dann kann ich das nur begrüßen: Solche Frauen sind mir äußerst sympathisch! Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, in einer Partnerschaft mit einer Frau zu leben, die dem traditionellen Rollenmodell verhaftet ist, denn gerade in einer Beziehung ist es wichtig, daß zwei gleich starke bzw. gleichwertige Individuen aufeinander treffen!

Drogen
Sid: Da ich in der Punk-Szene groß geworden bin, gab es zwangsläufig einige Erlebnisse mit Drogen, die sich im Nachhinein immer ganz lustig anhören - doch im Lauf der Jahre gelangte ich zu der Einsicht, daß Drogen keine Hilfsmittel sind, um sich lediglich 'nen netten Abend zu machen, sondern daß sie "Lehrerpflanzen" im schamanistischen Sinn sind: Richtig angewendet ermöglichen sie den Übergang in die Anderswelt sowie außerkörperliche Erfahrungen - doch da die Wenigsten von uns schamanistische Fähigkeiten besitzen (mich eingeschlossen) und wir darüber hinaus den richtigen und respektvollen Umgang mit Drogen verlernt haben, möchte ich den Gebrauch von Drogen in keiner Form propagieren; weder in positivem noch in negativem Sinn (Fragwürdige Kampagnen wie die "Keine Macht den Drogen"-Initiative eines Staates, der sich zu einem nicht geringen Teil über die Einnahmen aus der Alkohol- und Tabaksteür finanziert, diskreditieren sich von selbst!), noch möchte ich sie in irgendeiner Form zum Symbol eines scheinbar libertinär-alternativen Gesellschaftsmodells hochstilisieren. Wenn jemand mit Drogen klar kommt: Schön für ihn oder sie, denn es gibt genug Menschen, die das nicht können. Nach allen Erfahrungen, die ich gemacht habe, bin ich jedenfalls zu dem Schluss gekommen, daß die beste Droge noch immer ein klarer Kopf ist.

Lieblingsbücher und -autoren
Sid: Was die Belletristik betrifft: Alle Discworld-Novels von Terry Pratchett sowie sämtliche Bücher von Douglas Adams, Joolz Denby und Nick Hornby. An SachbuchautorInnen lese ich sehr gerne Marija Gimbutas, Luisa Francia, Gerda Weiler, Peter James Carroll, Nicolas Hall und Barbara G. Walker. Ganz besonders ans Herz legen möchte ich allen, die an Märchen gefallen finden, Saheta Weiks "Drachinnengesänge", die glücklicherweise neu aufgelegt wurden.

Kommerz und Kalkül?
Sid: Gegen eine solche Aussage habe ich im Prinzip nichts einzuwenden, denn Antichrisis verfügt nun mal über ein gewisses kommerzielles Potential, da ich stets Wert auf Melodik und Nachvollziehbarkeit meiner musikalischen Entwürfe lege: So komplex manche Songs auch erscheinen mögen - ihre einzelnen Bestandteile bleiben immer nachvollziehbar! Im Grunde genommen mache ich nur Pop-Musik mit etwas anderen Mitteln: Selbstverständlich ist diese Art von Musik kalkuliert im Sinne von "durchdacht": Ich überlege mir beim Arrangieren der Stücke genau, welche Teile wie ineinandergreifen, welchen Part ich mit welchen stilistischen Mitteln am Besten umsetzen kann, denn ich bin kein Freund wüsten Durcheinanders nur um der Vielfalt willen.
Trendy? Mag sein - doch ich alleine vermag keinen Trend zu kreieren, und die Musik, die ich mache, würde ich auch dann noch machen, wenn sie absolut "out of time" wäre. Wenn dieser Stil im Moment angesagt sein sollte, um so besser, denn dieser Umstand würde eindeutig die Chance erhöhen, so viele Tonträger wie möglich zu verkaufen - immerhin würde ich gerne von meiner Musik leben können, doch um dieses Ziel zu erreichen, sollte ich vermutlich mit jedem Album die musikalische Formel von "Cantara Anachoreta" wiederholen, anstatt nach neuen Ausdrucksformen zu suchen!
Vermeintliche Ehrlichkeit und Pseudoanspruch? Die Musik von Antichrisis spiegelt eben meine Persönlichkeit mit all ihren Facetten wider, und in Interviews gebe ich mich so, wie ich bin - wenn dies jemand als Marketingmasche empfindet, kann ich das nicht ändern, ist aber letztendlich auch nicht mein Problem.
Und was sagen eigentlich Begriffe wie "trendy" oder "kommerziell" über die eigentliche Qualität von Musik aus? Ist Musik etwa nur so lange "gut", wie sie von einem möglichst kleinen und exklusiven Kreis von Insidern gehört wird (dann müßte im Umkehrschluß Musik immer besser werden, je weniger Menschen sie hören)!? Wird ein Song etwa automatisch dadurch schlecht, daß er populär wird oder in die Charts gelangt? Ganz so einfach ist die Sache nicht... doch wer Musik nach solchen Maßstäben beurteilt, dem geht es sowieso nicht um die Musik selbst, sondern darum, pseudo-elitäre Nabelschau zu betreiben - und wird dadurch genau so manipulierbar wie jeder herkömmliche Boygroup-Fan.

Die Bedeutung von "Cantara Anachoreta"
Sid: Der Titel ergab sich aus dem dem Album zugrundeliegenden Konzept, ist eine Mischung aus Portugiesisch und Latein und bedeutet "Die Gesänge des Eremiten".

Szenezugehörigkeit
Näx: Nein, ich fühle mich keiner Szene zugehörig. Neben der von mir bevorzugten irischen Musik mag ich auch Musik aus anderen Stilrichtungen, so lange sie gut ist und mich berührt. Genauso freut es mich, wenn Menschen, die sich für eine Musikszene entschieden haben, unsere Musik hören und daran Spaß haben, einfach um der Musik und nicht um der Szene willen. Vielleicht entdecken diese Menschen bei uns Stile, die sie normalerweise nicht hören, oder in dieser Kombination noch nicht kannten.
Sid: Da jede Art von Szenezugehörigkeit automatisch eine Einschränkung des eigenen Blickwinkels bedeutet, halte ich mich erfolgreich aus jedwedem Szeneklüngel heraus bzw. bewege mich eigentlich ständig am Rande vieler verschiedener Szenen, aus denen ich mir dann das Beste herauspicke..."Szene" ist mir einfach zu engstirnig, als daß ich mich darin wohlfühlen könnte, und so würde ich mir auch wünschen, daß Antichrisis nicht nur von einer bestimmten Klientel vereinnahmt wird, denn das, was wir in unserer Musik zum Ausdruck bringen wollen, geht weit über irgendwelche Szenegrenzen hinaus.

Über das Schreiben von Songs
Näx: Tja, was Rockmusik und ihre Variationen angeht, muß ich leider gestehen, daß ich da ein unbeschriebenes Blatt bin. Eine Vorliebe für komplexe Stücke habe ich nicht. Was mir meist als "komplex" begegnet, sind Songs, die aus einer Unzahl zusammenhangsloser Musikstückchen zusammengesetzt sind, weshalb diese Titel für mich nur schwer nachzuvollziehen und fast nie wiederzuerkennen sind. Ich will einen Song aber nicht erst rational aufarbeiten müssen, damit er mir gefallen kann. Wenn dagegen ein Titel eine Linie verfolgt und in sich stimmig wirkt, kann er auch aus vielen verschieden Teilen bestehen. Diese Art von Komplexität kann aber nur Mittel zum Zweck, jedoch niemals Selbstzweck sein. Das ganze muß passen. Vielleicht sollte ich mal frühe Genesis, Yes, King Crimson oder Marillion hören?
Sid: Ich habe mich bei "The Sea" nicht einfach mit dem Vorsatz hingesetzt, einen extrem komplexen Song zu schreiben....ich hatte einfach plötzlich die Idee für den Refrain, und vor allem waren da ganz klare Bilder vor meinem inneren Auge, die ich mit Tönen und Worten beschreiben wollte - und aus dieser Grundidee heraus wuchs dann der ganze Song organisch weiter. Ich hätte Anfangs auch nicht gedacht, daß er so lang geraten würde (immerhin fast 14 Minuten), doch meine Songs scheinen einfach eine Eigendynamik zu entwickeln, die sich meinem Einfluß entzieht, und vor allem folgen sie ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, weshalb auf "A Legacy of Love" auch kein Song wie der andere klingt.
Das bedeutet aber nicht, daß ich eine besondere Vorliebe für lange und komplexe Songs hätte: Zum Einen enthalten unsere Alben ebenso einige kurze Stücke, und zum Anderen empfinde ich lange Stücke wie "Trying not to Breathe", "Forever I Ride" oder auch "The Sea" gar nicht als komplex im eigentlichen Sinn: So tauchen in den Songs zwar die unterschiedlichsten Strukturen und Versatzstücke auf, doch diese sind für sich genommen immer leicht zugänglich und nachvollziehbar; sie stellen zumeist Variationen des Grundthemas dar und sind bei weitem nicht so "verfrickelt" wie ein Großteil der Werke der von Dir angeführten Bands, die ich - mit Ausnahme von King Crimson - auch nicht so toll finde, da ich in ihren Songs meist den Roten Faden vermisse. Ich kann oftmals zwar geistig nachvollziehen, was diese Bands an technischen Finessen in ihre Songs einbauen, doch emotional berührt es mich in keinster Weise. Ich bin wahrscheinlich viel zu sehr vom Folk versaut, um Virtuosität nur um ihrer selbst Willen gebührend bewundern zu können...

Welt ohne Christentum?
Sid: Ich bezweifle stark, ob eine Welt ohne Christianisierung eine Bessere wäre, denn letztendlich stellt das Christentum nur eine Manifestation der Ignoranz, der Machtbesessenheit und der Intoleranz eines großen Teils der Menschheit dar. Die psychologischen Mechanismen und Verdrängungsstrukturen, deren sich die Kirche bedient, gab es schon vor der Etablierung des Christentums, und sie taucht auch in Gesellschaftsformen auf, die nicht christlich geprägt sind: Machtmißbrauch und Unterdrückung sind keine spezifisch christlichen Attribute, sondern scheinen grundsätzlich immer in männerdominierten Gesellschaften aufzutauchen - matriarchalen Gemeinschaften bzw. Völkern sind solche Strukturen weitestgehend fremd!
Näx: Ob die Geschichte ohne Christianisierung wesentlich unblutiger verlaufen wäre, wage ich zu bezweifeln, weil (irgendeine) Religion in der Regel nur der Vorwand oder das Vehikel für die Unterdrückung Dritter ist. Der Grund der Unterdrückung ist dann auch immer unreligiös. Ohne Christianisierung würden heute zumindest diejenigen Christen fehlen, die ihr Leben in erster Linie nach den christlichen Grundwerten ausrichten.

Kirche und Glaube
Sid: Ich halte weder etwas von Christentum noch von Kirche (die übrigens gemäß neutestamentarischer Quellen keinerlei Legitimation besitzt!), wobei ich mich hierbei nicht spezifisch gegen den christlichen Glauben im Besonderen, sondern gegen jede Art von organisierter Religion bzw. Philosophie, die eigenverantwortliches Denken und Handeln durch Dogmen ersetzt und kein Hinterfragen zuläßt, wende! Die Kirche hat im Lauf ihrer Geschichte eine Unzahl von grausamen Verbrechen begangen; sei es nun in Form der Kolonialisierung Südamerikas oder der Hexenverfolgung etc. Für diese Verbrechen hat sich die Kirche nie entschuldigt, geschweige denn Wiedergutmachung geleistet, und ein Buch wie der "Hexenhammer" ist auch heutzutage nach kanonischem Recht ein noch immer gültiges Regelwerk.
Näx: Ich für meinen Teil bin von einer katholischen Erziehung geprägt und stehe zu den christlichen Grundwerten. Der Amtskirche stehe ich dagegen kritisch gegenüber. Der Kern dieser Grundwerte kommt wohl in allen Religionen vor und nach meiner Meinung ist es wichtig, daß die Menschen überhaupt Prinzipien haben, die überindividuell und nicht egoistisch sind. Ob und wie der Einzelne solche Werte spirituell einbettet ist jedem sein Bier, wie man im Rheinland zu sagen pflegt.

Versagen des Rechtssystems?
Sid: Die Justiz an sich ist eigentlich das falsche Mittel, um solchen Auswüchsen entgegenzusteuern, da jede Form von Rechtsprechung immer erst da ansetzt, wo das Kind sozusagen schon in den Brunnen gefallen ist. Natürlich muß ein Täter seiner gerechten Strafe überführt werden, doch noch besser wäre es, wenn unsere Gesellschaft eine solche wäre, in der solche Taten erst gar nicht vorkommen... Doch abgesehen davon kommt es mir schon so vor, als ob oftmals Täterschutz vor Opferschutz geht: Es ist zwar wichtig, die Frage nach den Ursachen der Tat zu stellen, doch dies darf niemals dazu führen, das Opfer aus den Augen zu verlieren, denn in erster Linie muß diesem Gerechtigkeit widerfahren, falls dies überhaupt noch möglich ist!

Folk im Vordergrund
Sid: Da ich die Stücke für Antichrisis grundsätzlich auf der akustischen Gitarre komponiere, ist es naheliegend, daß sich dabei schnell eine folkloristische Note einschleicht: Die E-Gitarre spielt auf "A Legacy of Love" keine grosse Rolle bzw. wird (von einigen Soli abgesehen) nur an wenigen Stellen zur Untermalung eingesetzt. Tja, und da Näx ein hervorragender Piper ist, der den Dudelsack genau so spielt, wie ich es mir vorstelle, ergibt sich aus dieser Kombination automatisch ein stärkerer Folk-Einfluß...
Ich liebe den irischen Dudelsack wegen seiner natürlichen Klangfarbe: Richtig gespielt bringt er diesen klagenden und sehnsuchtsvollen Ton zustande, der genau zur Musik von Antichrisis paßt - und darüber hinaus finde ich es vom Konzept her interessant, diesem traditionellen Instrument die Funktion zuzuteilen, die normalerweise - zumindest in der Rockmusik - die E-Gitarre inne hat. Nimm z. B. einen Song wie "Baleias": In der Version auf dem Debut-Album war das Stück noch vom E-Gitarren-Sound dominiert, während er in der neuen Version auf "A Legacy of Love" lediglich mittels akustischer Instrumenten vorgetragen wird - und trotzdem wirkt der Song in der Neufassung dynamischer, weil er vom rhythmischen Gerüst her wie ein traditionelles irisches Tanzstück gehalten wurde....es gibt eine solch reichhaltige musikalische Tradition in der irischen Musik, von der ich mich nur zu gerne inspirieren lasse.
Die vielfältigen Einflüße in der Musik von Antichrisis kommen daher, daß ich beim Verfassen eines Songs niemals einer bestimmten Vorstellung folge: Manchmal bin ich selbst überrascht, in welche Richtung sich ein Stück entwickelt. Doch ich selbst bestimme nie, wie die Umsetzung zu geschehen hat: Jeder Song wählt seinen eigenen Weg, indem sich der Inhalt die passende Form sucht - und diese Arbeitsweise verhindert, daß Antichrisis auf einen bestimmten Stil festgenagelt werden könnte. Zwar finden sich bei Antichrisis Elemente von Gothic, Dark Wave, Folk, Metal, Grunge usw., doch kann unsere Musik niemals auf lediglich eine dieser Spielarten reduziert werden; und sie ist auch weit davon entfernt, lediglich einen Crossover darzustellen, weil jedes dieser Elemente nur dann zum Einsatz kommt, wenn es der Logik des jeweiligen Songs folgend auch seine Berechtigung hat....das alles klingt jetzt vermutlich ziemlich kopflastig, ist aber im Grunde genommen ein organischer Prozess, der es mir erlaubt, mich eines äußerst breiten Spektrums unterschiedlichster Stilistiken zu bedienen.
Näx: Die Songs des neuen Albums sind von der Anlage her folkiger, weil der unverzerrte Klang der Instrumente den meisten Stücken gerechter wird als ein Metal-lastiger Sound. Die klangliche Veränderung hat ihren Grund aber auch darin, daß der Inhalt der Stücke ein anderer ist als auf "Cantara Anachoreta". Wo es paßte, haben wir E-Gitarren & Distortion eingesetzt, aber ein Stück wie "Dancing in the Midnight Sun" würde im reinen Metal-Gewand wohl kaum wirken. Das Folk-Feeling wird schließlich dadurch verstärkt, daß wir auch folkloristische Instrumente wie irischen Dudelsack, Flöten oder Mandoline einsetzen. Zum Einen bauen wir traditionelle irische Stücke in die Songs ein, zum Anderen nutzen wir den "folkigen" Klang der Pipes, um damit Soli oder Begleitungen zu spielen, die sonst normalerweise die E-Gitarre übernimmt.

Wer schreibt die Songs?
Näx: Verantwortlich für die Songs ist bei uns Sid. Bevor er die Stücke schreibt, erlebt er sie erst mal - das ist auch der Grund, warum die Musik so gefühlsbetont ist. Wenn das Gerüst eines Stückes steht, wird es gemeinsam ausgebaut und weiterentwickelt. Wir lassen uns mit dem Arrangieren genügend Zeit, damit das, was durch das Stück vermittelt werden soll, auch hörbar wird.
Sid: Vielleicht ist das, was Antichrisis am meisten von vielen anderen Bands unterscheidet, einfach der Umstand, daß es bei uns nicht um irgendwelche erfundenen Geschichten, übernommene Klischees oder aufgesetzten Images geht, sondern daß sich in den Songs meine Gefühlswelt völlig unverstellt präsentiert. Durch die Musik trage ich mein Innerstes nach Aussen. Jeder, der meine Musik hört oder meine Texte liest, hat praktisch direkten Zugriff auf meine innere Erlebniswelt. Noch direkter, verletzbarer und offener als in meinen Songs kann ich im Grunde genommen kaum werden, und diese Direktheit kann den Zuhörer bei entsprechender Bereitschaft, für die Dauer eines Songs meine Welt zu betreten, natürlich stark berühren: Ich lasse ihn ohne jegliche Zensur oder Selbstschutzmechanismen an allen Höhen und Tiefen, die ich durchlebt habe, teilnehmen.
Was den ausschließlich handwerklichen Aspekt von Antichrisis betrifft, so gebe ich diesbezüglich quasi den Rahmen vor, innerhalb dessen sich alle anderen beteiligten MusikerInnen völlig frei bewegen können. Zwar schreibe ich die Songs und lege dadurch die grundsätzliche Richtung fest, doch ich habe gleichzeitig grossen Respekt den künstlerischen Fähigkeiten aller anderen Beteiligten, so daß ich ihnen niemals vorschreiben würde, was sie zu tun haben - ich lege höchstens mein Veto ein, wenn mir ein Beitrag mal gar nicht gefallen sollte, was allerdings nur selten vorkommt.

Liebe und Tod
Sid: Gute Frage... Leben ist für mich gleichbedeutend mit Liebe, denn ein Leben ohne Liebe erscheint mir doch ziemlich sinnlos. Liebe wiederum ist das wunderbarste Geschenk und überwältigendste Gefühl, das ich mir vorstellen kann: Ich verdanke der Liebe die schönsten, doch gleichzeitig auch die schmerzhaftesten Momente meines Lebens - und an dieser Stelle kommt unvermeidlicherweise auch der Tod ins Spiel...
Dennoch empfinde ich das Leben als ein Geschenk; und selbst, wenn ich mich in den Untiefen, die das Leben ab und an mit sich bringt, alles andere als gut fühle, gehören die dunklen Momente ebenso dazu wie die lichten. Der Tod ist dabei ein natürlicher Bestandteil des Lebens, und ich finde es bedauerlich, daß er in unserer westlichen Zivilisation im Lauf der Jahrhunderte mit so viel Angst, Furcht und Tabus belegt wurde, anstatt ihn als integralen Bestandteil der Existenz zu begreifen.
Vor dem Tod selbst habe ich keine Angst, lediglich vor einem schmerzhaften Sterben - oder vor einem Sterben in einer anonymen, sterilen Klinik, anstatt in den letzten Stunden von geliebten Menschen umgeben zu sein.
Was das Leben in meinen Augen mitunter so schwierig macht, ist der Umstand, daß so viele unvorhergesehene Dinge eintreten können, was an sich ja eher erfreulich als belastend wäre; doch daß eben selbst das, was man für unvergänglich hält, plötzlich ein unvorhersehbares Ende nehmen kann. Der daraus resultierende Schmerz, die Trauer über ein verlorenes Glück, können schrecklich sein und es nahezu unmöglich machen, dem Leben noch etwas Positives abzugewinnen. Und obwohl ich die Ansicht vertrete, daß man sich oder dem Schicksal immer noch eine Chance zubilligen sollte, kann ich Menschen, die aus einer solchen Krisensituation heraus entschieden haben, ihrem Leben ein Ende zu setzen, durchaus verstehen: Niemand kann wirklich nachempfinden, wie sehr ein bestimmter Schmerz oder eine bestimmte Notlage einem anderen Menschen zusetzt. Selbstverständlich birgt jede Krise auch ein ungeheures Wachstumspotential für den Betroffenen in sich, doch man kann eben auch daran zerbrechen...

Zur Bedeutung des Namens "Antichrisis"
Sid: Au Mann, das wird wohl ein längerer Exkurs in Religionsgeschichte und Ägyptologie! Also: Der gute Robert Ranke-Graves hat mit dem Buch "Die Weisse Göttin", auf dessen Thesen Du Dich hier berufst, zwar ein häufig zitiertes, jedoch mitunter recht spekulatives Werk verfasst, das in Hinsicht auf wissenschaftliche Methodik doch Einiges zu wünschen übrig läßt. Entgegen seinen Angaben bedeutet "Ish-Ish" - das korrekterweise "Ashesh" heissen müßte - nicht "Sie, die weint", sondern "Das Ausgießen" bzw. "Das Ernähren", was als Hinweis darauf verstanden werden kann, daß die göttliche Essenz der Isis alle anderen Götter und Geschöpfe nährte und somit am Leben erhielt (nach A. E. Wallis Budge: "Gods of the Egyptians" New York 1969).
Es erschiene auch etwas absurd, eine Göttin, die den Status einer Alma Mater inne hat, auf eine lediglich um ihren geliebten trauernde Figur reduzieren zu wollen. Isis' wahre Bedeutung erschließt sich vielmehr aus einem von Lucius Apuleius (ca. 125 - 180 n.u.Z.) verfassten Hymnus aus seinen "Metamorphosen", in dem es u. a. heißt:
"Heilige Frau und Menschenretterin immerdar, allzeit hilfreicher Hort aller Erdenkinder; ja, Du erweisest süße Mutterliebe den Elenden und Geschlagenen! Nicht Tag noch Nacht oder auch nur ein kurzer Augenblick vergeht ohne Deine Gnadenwirkung; keiner, da Du nicht zu Meer und Land die Menschen behütest, Gewitter des Lebens verscheuchst und Deine Rechte zur Hilfe reichst, mit der Du selbst unentwirrbar verstrickte Fäden der Parzen auflösest, Schicksalsstürme besänftigst und böse Sterne in ihrem Lauf hemmst....Du drehst das Firmament, entfachst die Sonne; die Welt ist Dein Thron, die Hölle Dein Schemel. Nach Dir wandeln die Gestirne, wechseln die Jahreszeiten; Dir jauchzen die Geister, dienen die Elemente. Dein Wink macht Winde wehen, Wolken gießen, Samen spriessen, Sprosse wachsen. Vor Deiner Hoheit erheben sich die am Himmel ziehenden Vögel, die auf den Bergen schweifenden Tiere, die am Boden lauernden Schlangen, die im Meere schwimmenden Wale. Doch mir gebricht es an Gaben, Dein Lob zu verkünden, und fehlt es an Gütern, Dir Opfer zu bringen. Ich habe nicht Stimmkraft genug zu sagen, was ich von Deiner Hoheit fühle, nicht tausend Münder oder Zungen gleicher Art oder ewig regen Redestrom. Was allein der Mensch zu tun vermag, der fromm aber sonst arm ist, das soll also meine Sorge sein: Dein himmlisches Antlitz und hochheiliges göttliches Wesen will ich auf alle Zeit im Schrein meines Herzens bewahren, hüten und vor Augen haben!"
Und in ihrer Heimat Ägypten wurde Isis angebetet als "Herrin der Götter, Du beflügelte, Du rotbewandete Gebieterin, Königin mit den Kronen des Südens und des Nordens, du Einzige....über der kein Gott sein kann....die Du mächtig bist durch die Worte der Kraft....die Du über allem stehst; Herrscherin und Gebieterin des Grabes, Mutter am Ende des Himmels! Preis sei Dir, oh Gebieterin, die mächtiger ist als die Götter; Worte der Anbetung mögen Dir die acht Götter von Hermopolis entgegenbringen. Die lebendigen Seelen an ihren geheimen Orten mögen Dein Geheimnis preisen, oh Du, die Du ihre Mutter bist; Du Quell, dem sie entsprangen, die Du ihnen einen Ort in der verborgenen Unterwelt schuffest, die Du ihre Gebeine unversehrt erhieltest und sie vor Schrecken bewahrtest, die Du sie in ihrem ewig währenden Aufenthalt stärktest. Du bist Isis, die Älteste der Alten: Du bist die Göttin, aus der alles Werden wächst!"
Aufgrund dieser und zahlreicher weiterer Quellen erscheint es mir mehr als unwahrscheinlich, daß es eine derart mächtige Göttin in mythologischer Hinsicht nötig gehabt haben soll, sich mittels Erpressung der Macht eines religionsgeschichtlich relativ spät etablierten Sonnengottes zu bedienen, denn während sich die Verehrung der Isis mühelos bis zur 1. Thinitischen Dynastie (3400 - 2980 v.u.Z.) zurückverfolgen läßt, taucht Ra erstmals in den Schriftrollen der 12. Thebanischen Dynastie (2000 - 1788 v.u.Z.) auf, wobei es sich bei ihm lediglich um die Abwandlung bzw. Maskulinisierung der ursprünglich weiblichen Göttin von Heliopolis, Rataiut, handelt.
Natürlich kannte Isis Ra's Namen, denn gemäß seiner eigenen Legende war er ihr Sohn! Über ihn war sie allerdings so erzürnt, daß sie ihn mittels seines geheimen Seelennamens mit einem Bann belegte, der nicht zu brechen war und ihn dadurch dazu verdammte, alt und gebrechlich zu werden (nach E. A. Wallis-Budge: "Egyptian Magic", New York 1971). Es kann also keine Rede davon sein, daß eine "schwache" Isis sich der Macht eines "starken" Sonnengottes bedienen mußte - im Gegenteil: Viel eher erscheint es so, als ob Ra auf Isis' Gunst angewiesen war.
Übrigens wurde Isis nicht nur in Ägypten, sondern auch in der griechisch-römischen Welt verehrt, "von Alexandria bis Arles, vom Rand der Sahara bis zu den britischen Inseln, von den Bergen Asturiens bis zur Mündung der Donau" (nach Franz Cumont: "Die orientalischen Religionen im Römischen Heidentum", Leipzig 1931).
Natürlich wäre es naheliegender gewesen, auf eine der grossen Göttinen des europäischen Kulturkreises zurückzugreifen, doch schon seit meiner Kindheit hat mich die Gestalt der Isis fasziniert: Sie ist für mich die allumfassende Verkörperung des Lebens und der Liebe, die Königin des Himmels, die Mutter alles Lebendigen und die Hüterin an der Schwelle des Übergangs.
Wie ich sie wahrnehme? Da sie alles Leben - Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine, Wasser usw. - schuf, wohnt auch ein Teil von ihr in all dem, was sie erschaffen hat, d. h. auch in mir selbst. Und genau in diesem Punkt unterscheidet sich die Gestalt der Göttin grundsätzlich vom christlichen Gottesbegriff: Während der Gott der christlichen Schöpfungsmythen stets außerhalb seiner Schöpfung und vor allem außerhalb der Menschen steht, woher nebenbei bemerkt auch die Notwendigkeit einer priesterlichen Vermittlung zwischen Mensch und Gott rührt, begreife ich die Göttin als untrennbar mit ihrer Schöpfung verbunden. Und da im Grunde genommen jede Frau und jeder Mann die Göttin ins sich trägt, ist es jedem Menschen prinzipiell möglich, einen gott- bzw. göttingleichen Zustand zu erreichen - und das nicht erst in einem wie auch immer gearteten Jenseits!
Isis ist für mich keine irreale geistige Projektion, sondern ihr Wesen begegnet mir in jedem Stein, jedem Baum, jedem Hauch des Windes, jeder Welle des Meeres und jedem Regenschauer....doch dieses Art der Wahrnehmung läßt sich wahrscheinlich nur schwer vermitteln.

Selbstmord
Sid: Ich kann und will nicht über andere Menschen urteilen, doch ich denke, daß es für jeden Menschen eine jeweils individuell unterschiedlich definierte Schwelle des Schmerzes gibt, die, wenn sie überschritten wird, auch Selbsttötung oder zumindest den Gedanken daran nach sich ziehen kann. Diese "Schmerzgrenze" als Außenstehender definieren oder bewerten zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil das Ausmaß der jeweils schmerzverursachenden Situation von jedem Menschen anders empfunden wird - wenn man selbst nicht darin steckt, kann man sich u. U. gar nicht vorstellen, was der betroffene Mensch da gerade durchmacht.

Musik und Mißstände
Sid: Natürlich! Wenn ich das Thema Kindesmißhandlung (wie in "Goodbye to Jane") aufgreifen will, warum nicht? Musik kann durchaus als Vehikel, um soziale oder politische Mißstände anzuprangern, benutzt werden und diesbezüglich Einiges bewirken. Ich halte überhaupt nichts von den Statements einiger Musiker, die die Meinung vertreten, Politik habe nichts in der Musik zu suchen. Es gibt meiner Meinung nach ganz hervorragende politische Songs oder auch Bands wie z. B. “Rage against the Machine” - was immer man auch musikalisch von ihnen halten mag. Doch wenn ich Interviews mit Mitgliedern von RATM lese, merke ich schon, daß sehr viel persönliches Engagement hinter dieser Band steckt und davor habe ich grossen Respekt.

Biblische Mißverständnisse?
Sid: Da die Bibel die verbindliche schriftliche Grundlage des Christentums (und im Falle des Alten Testaments auch des Judentums) darstellt, halte ich eine Gleichsetzung von Bibel und Christentum für gerechtfertigt, wobei sich die überwiegende Mehrheit der Christen in dem Irrglauben ergeht, bei den Büchern des alten und neuen Testaments würde es sich um "Gottes eigenes Wort" handeln, "als ob die hohen Himmel sich geöffnet hätten und wir Gott hörten, wie er mit menschlicher Stimme zu uns spricht" (nach D. Burgon: "The Holy Bible", Canterbury 1878).
Diese Annahme läßt sich mittlerweile allerdings nicht mehr aufrechterhalten; erschien doch bereits im Jahre 1889 ein von katholischen Gelehrten verfasster Sammelband ("Lux Mundi"), der mit der angeblichen Historizität und göttlichen Inspiration der Bibel aufräumt, indem eingestanden wird, daß es sich bei der Bibel um eine "wirre Masse von Mythen, Legenden und verstümmelter geschichtlicher Tatsachen einschließlich zahlreicher sich widersprechender Fakten" handelt (zitiert nach A. D. White: "A History of Warfare of Science with Theology in Christendom", New York 1955). In diesem Zusammenhang erstaunt es die Kenner christlicher Wahrheitsliebe wenig, daß im Jahre 1897 die Index-Kongretaion unter Papst Leo XII. jegliche weiteren diesbezüglichen Forschungen über die Ursprünge der biblischen Texte unter Androhung der Exkommunikation untersagte.
In Bezug auf die Authentizität der Bibel wurde die Legende verbreitet, daß das Alte Testament im 3. Jahrhundert v.u.Z. von 72 Übersetzern des Ptolemäus auf der Insel Pharos in 72 Tagen vom Hebräischen ins Griechische übertragen worden sei (daher auch der Name "Septuaginta" für diese Übersetzung, wobei der numerologische Symbolismus dieser Legende auf die 72 kabbalistischen Gottesnamen Bezug nimmt). Nach Ablauf der 72 Tage wurden die Übersetzungen miteinander verglichen und man stellte fest, daß sie Wort für Wort miteinander übereinstimmten. Zu schön, um wahr zu sein, denn die tatsächliche Geschichte der Bibel verlief um Einiges ungeordneter: Im 1. Jahrhundert v.u.Z. tauchte erstmals eine Sammlung loser Texte auf, die im 1. Jahrhundert n.u.Z. von den Juden in der ägyptischen Diaspora als heilig akzeptiert und von den Christen übernommen wurde - und danach erlebten diese Texte unzählige Veränderungen und Redigierungen: Im 4. Jahrhundert n.u.Z. fertigte Hieronymus eine bemerkenswert ungenaue und lückenhafte Übersetzung des Basistextes, die Vulgata, die deutlich vom Original abwich.
Die heute meist gebräuchliche Luther-Übersetzung basiert - ebenso wie die King James Bible für den englischen Sprachraum - auf einem griechischen Text, den Erasmus von Rotterdam im 16. Jahrhundert n.u.Z. zusammengetragen und herausgegeben hat; einer Sammlung, die wiederum auf byzantinische Quellen aus 4. - 8. Jahrhunderts n.u.Z. beruht. "Später wurden einige ältere Texte entdeckt: die Texte von Qumran (2. Jahrhundert v.u.Z.), die Chester Beatty Papyri (2. - 3. Jahrhundert n.u.Z.), der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus (beide aus dem 4. Jahrhundert n.u.Z.) sowie der Codex Alexandrinus (5. Jahrhundert n.u.Z.). Alle sind fragmentarisch, sie weichen in wesentlichen Bestandteilen voneinander und von der King James Bibel ab. Es gibt keine bekannten Teile der Bibel, die vor dem 4. Jahrhundert v.u.Z. entstanden sind!" (nach C. F. Pfeiffer: "The Dead Sea Scrolls and the Bible", New York 1969).
In diesem Zusammenhang schneidet auch das Neue Testament nicht besser ab, wurde es doch fälschlicherweise den Aposteln als Verfasser zugeschrieben - eine These, die keiner literaturhistorischen Überprüfung standhält! Des weiteren kommt hinzu, daß die wirklich interessanten Texte des Neuen Testaments durch die Kirche selbst nach und nach eliminiert wurden; sie wurden exkanonisiert und unter der Bezeichnung "Apokryphen" zusammengefasst. Aus diesen gnostischen Evangelien geht u. a. hervor, daß Jesus verheiratet war, daß er kein Einzelkind war (entsprechende Hinweise finden sich sogar noch in Markus 6.3 - hier hat die Kongregation wohl geschlafen!) und daß es neben den bekannten 12 männlichen Aposteln noch 12 weibliche gab, deren Oberhaupt Maria Magdalena war usw.
Die Bibel ist also ein ziemlich konfuses und wirres Werk - kein Wunder, daß das Christentum, das sich auf dieses merkwürdige Sammelsurium beruft, ebenso konfus und realitätsfern daherkommt! Darüber hinaus handelt es sich bei der Bibel um ein höchst gefährliches Buch, das u. a. die geistige Grundlage für die Hexenverfolgung schuf (Exodus 22.17: "Eine Hexe sollst Du nicht am Leben lassen"); ganz zu Schweigen von den wiederkehrenden Befehlen Jehovahs in den Büchern der Richter und der Könige, Andersgläubige auszurotten, niederzumetzeln und zu vergewaltigen! Die im Alten Testament formulierte Ideologie eines "Auserwählten Volkes", dessen hegemoniale Macht- und Eroberungspolitik durch einen eifersüchtigen und hochgradig parteiischen Gott gerechtfertigt wird, bildet gleichzeitig das Fundament für nachfolgende faschistische Ideologien jeglicher Couleur.

Das Konzept von "Cantara Anachoreta"
Sid: "Cantara Anachoreta" ist tatsächlich eine Art Konzeptalbum, dessen Songs die letzten Stunden im Leben des Eremiten Ariman schildern: Er spürt, daß seine Zeit gekommen ist und die Stunde der Dunkelheit naht ("Prologue"). Während seine Seele sich langsam der Schwelle des Schattenreichs nähert, ziehen die Begebenheiten seines Lebens als auch die vorangegangener Inkarnationen an ihm vorbei: So erlebt er nochmals das dunkle Zeitalter der Hexenverfolgung ("The Endless Dance"), in dem er trotz seiner damaligen Position als Abt eines Klosters versuchte, die Verfolgten zu schützen; und ebenso erlebt er den schmerzhaften Verlust der Frau, die er liebte ("Requiem ex Sidhe"). Er erinnert sich eines Mädchens, dem er auf seinen Spaziergängen oft begegnete, bis es eines Tages nicht mehr auftauchte: Das Kind hatte sich umgebracht, nachdem es von seinem Vater mißbraucht worden war - dennoch spürt Ariman die Präsenz des wütenden und Vergeltung einfordernden Geistes des Mädchens ("Goodbye to Jane")...
Bilder aus längst vergangenen Tagen steigen in dem Sterbenden empor, und er gedenkt der zahlreichen Momente seines Lebens, in denen er Mut und Tapferkeit aufbringen mußte, um sich selbst treu zu bleiben ("Baleias"): Auch wenn mancher Kampf verloren wurde, war es doch wichtig, gekämpft zu haben. Es fiel ihm nicht immer leicht, dem Pfad der Göttin zu folgen und ihre Lehren anzunehmen, doch wann immer er glaubte, sie habe ihn verlassen, war sie in Wirklichkeit bei ihm ("Her Orphaned Throne").
Und so träumt Ariman von der Wiederkehr der Göttin, die alle Ungerechtigkeit, alle leeren Versprechungen, alle Lügen und falschen Propheten hinwegfegen wird, so daß ein neues goldenes Zeitalter anbrechen kann ("Descending Messiah"). Mit dieser letzten Vision versinkt Ariman und taucht hinab in Cerridwen's Reich, den Garten der ewigen Träume, in dem seine suchende Seele endlich Heilung und Erlösung finden wird ("Epilogue"). Ob dies nun sein Ende ist oder er in ein neues Leben tritt, bleibt das Geheimnis des Eremiten.

Die Bedeutung der geflügelten Schlange
Sid: Das Cover zeigt eine geflügelte Schlange (aus der sich die mythologische Gestalt des Drachen entwickelte), die ein Ei umschlungen hält, aus dem das Universum geboren wird. Diese symbolische Darstellung der Göttin mit ihrer Schöpfung zieht sich durch fast alle Epochen und Kulturen: So verkörpert in der hinduistischen Tradition die Göttin Ananta die Schlangenmutter, die zugleich identisch mit der Kundalini ist - der inneren weiblichen Seele des Menschen, die zusammengerollt im Becken ruht und durch Yogaübungen dazu gebracht werden kann, sich zu entrollen und durch die Chakren zum Kopf hin aufzusteigen und so Erleuchtung zu bringen.
In China hieß die Göttin in Gestalt der geflügelten Schlange Mat Chinoi; in Babylon wurde sie als Kadi bezeichnet. In Ägypten war sie wie in Indien eine Totemform der Grossen Mutter, Per-Utachet bzw. Buto: Die ägyptische Uräus-Schlange war zugleich die Hieroglyphe für "Göttin", und interessanterweise wurde "Uräus" später auf sogenannten "Zauberzetteln" und in mittelalterlichen magischen Büchern (z. B. den henochischen Büchern des John Dee) zu einem der am häufigsten gebrauchten geheimen Namen Gottes. Nebenbei bemerkt: Schon in der Bibel lassen sich genügend Hinweise auf eine ursprüngliche Schlangenverehrung der Israeliten finden - z. B. in Numeri 21.8; Psalm 74:14 oder bei Jesaja 51.9. Ganz abgesehen davon bedeutet das hebräische Wort für Engel, "Seraph", ebenfalls "Schlange").
Das Ei, das die Schlange umschlungen hält, ist das mystische Symbol für das Universum in seiner embryonalen Form. Orphischen Überlieferungen zufolge gebar die Grosse Göttin der Finsternis, die Mutter der Nacht (die in dieser Gestalt als "Goddess of the Night" in dem Song "The Endless Dance" auftaucht), zuerst das Weltei, dem das Universum entschlüpfte und aus dessen beiden Eihälften sie Himmel und Erde schuf. Und gemäß der griechischen Sagen ist es Leda, die die himmlischen Zwillinge Kastor und Polydeukes gebar, wobei jeder der beiden seine Hälfte der Eierschale als Krone trug.
"Schlange des Nils" war nicht nur ein Ehrentitel Kleopatras, sondern der hoheitliche Titel aller ägyptischen Königinnen, und auch Isis wurde als geflügelte Schlange dargestellt - und da sich der Name Antichrisis auf die Göttin Isis bezieht, war es für mich naheliegend, sie in einer ihrer Manifestationen auf dem Cover darzustellen.

Hexenschuss
Sid: Klassisches Beispiel von christlichem Aberglauben, der einen simplen medizinischen Vorfall wie einen eingeklemmten Nerv dem Wirken von "bösen" Hexen zuschreibt - ich wurde daher den Fachbegriff "Lumbago" vorziehen. Damit will ich allerdings nicht behaupten, daß eine Hexe nicht fähig wäre, einem ihr übel gesonnenen Menschen eine ziemlich alberne Körperhaltung aufzuzwingen.....Merke: Hexen ärgern lohnt sich nicht!
