News, January 2008
Endlich haben wir eine neue Sängerin für Antichrisis gefunden: Es ist Steffi Breiting, und wir sind hocherfreut, sie mit an Bord zu haben. Steffi ist eine erfahrene Sängerin, die bereits in vielen unterschiedlichen Projekten und Bands mitgewirkt hat, unter anderem auch bei "Moods of Ally" (mehr Informationen dazu unter http://www.myspace.com/moodsofally). Dank Steffi können wir die Aufnahmen zu unserem bevorstehenden Album "The Legacy Remains" endlich fortsetzen, weshalb ich auch zuversichtlich bin, daß dieses lang erwartete Album, dessen Veröffentlichung sich aufgrund der Besetzungswechsel in der Vergangenheit immer wieder verzögert hat, in diesem Jahr endlich fertiggestellt werden wird.
Schlosshof-Festival 2007
Wie immer trudelten meine Süße und ich mit etwas Verspätung ein, so dass wie den Opener Nachtgeschrei verpasst hatten. Als wir den Schlosshof betraten, waren Merlons Lichter bereits auf der Bühne und gaben sich redlich Mühe, liessen das Publikum jedoch weitestgehend kalt, was an der leicht verunglückten Performance der Band lag: Da Sänger und Drehleierspieler PG ist nicht gerade der mitreissendste Frontmann aller Zeiten ist und die Restlichter - mit Ausnahme der Sängerin - so verloren wie bei Stromausfall im Proberaum agierten, wollte der Funke nicht richtig überspringen. Da halfen auch die hilflosen Tanzeinlagen der Sängerin nichts, die dank ihres peinlichen silbernen Flügel-Umhangs des Öfteren wie eine orientierungslos herumtaumelnde Alufolien-Fledermaus wirkte... Eigentlich schade, denn die Musik dieser Erlanger Combo setzte sich ansonsten wohltuend vom üblichen In-Subway-Extremo-Corvus-Sound anderer Mittelalter-Bands ab, doch infolge der farblosen Darbietung verpuffte deren Wirkung gänzlich!
Diesbezüglich sah es Feuerschwanz, die auf Merlons
Lichter folgten, gleich eine ganze Ecke anders
aus: Schon beim Soundcheck sorgten sie für mehr
Stimmung im Publikum, als die Merlons während
ihres gesamten Auftritts erzeugten.
Zugegebenermaßen ist eine Band mit einem Motto wie
"Met & Miezen" in diskursiver Hinsicht mehr
als nur peinlich; wer Schandmauls "Herren der
Winde" zur nächstliegenden Flatulenz-Ballade
umfunktioniert und darüber hinaus den Großteil des
eigenen lyrischen Oeuvres deutlich unterhalb der
mittelalterlichen Gürtellinie ansiedelt, sollte
eigentlich gnadenlos gedisst werden - doch seien
wir mal ehrlich: AC/DC, Led Zeppelin, Motörhead
oder ZZ Top sind auch nicht gerade literarische
Schöngeister und werden dennoch toleriert und
anerkannt - und Feuerschwanz verbreiteten trotz
ihres Schlüpfrigkeitsfaktors von +10 auf der nach
oben offenen Debilitätsskala dermaßen gute Laune,
dass man sich dem einfach nicht entziehen konnte:
Also hinfort mit allen Dünkeln und hehren
Anspüchen, dem fröhlich gröhlenden Nachbarn
zugeprostet und abtanzen, bis der Medicus kommt!
Feuerschwanz machten jedenfalls alles richtig, was
Merlons Lichter zuvor falsch gemacht hatten: Die
ganze Band ging gnadenlos nach vorne und spielte für
das Publikum, das im Gegenzug begeistert auf dieses
Powerplay reagierte - und wenn Feuerschwanz so
weitermachen, werden sie bei den Festivals der
nächsten Jahre womöglich noch Headliner-Status
bekommen!
Danach war Eric Fish dran, der mir solo
wesentlich besser gefällt als mit Subway to Sally:
Eigentlich macht er astreinen Liedermacher-Folk,
bei dem er meistenteils englischsprachigen Songs
sozialkritische deutsche Texte verpasst: Das hat
zwar rein gar nix mit Mittelalter zu tun, doch
weil er eben der Subway to Sally-Frontmann ist,
hört ihm das Gothic-Publikum aufmerksam zu, das
die Originalversionen solcher Stücke wie "Summer
in the City" oder "Rocking in the Free World"
vermutlich noch nie zuvor gehört hat und jeden
langhaarigen Straßenmusiker, der dieselben Songs
mit der gleichen Inbrunst vorträgt, vermutlich
kaltlächelnd ignorieren würde...
Jedenfalls war es genau die richtige musikalische
Untermalung, um sich mit Freunden zu unterhalten und
ein Bierchen zu trinken; vom Schauwert her ging diese
Art der Darbietung auf der Festivalbühne leider ein
wenig unter, denn ein akustischer Set dieser Art ist
nun mal eher für kleine verräucherte Musik-Clubs oder
Kneipen geeignet, wo dann auch die entsprechende
Stimmung aufkommen kann - vielleicht sollte Eric
gelegentlich einfach mal im Strohalm in Erlangen
vorbeischauen?
Nach einer kleineren Umbaupause waren dann Saltatio Mortis angesagt: Diese
hatten mich schon auf dem Veldensteiner Festival
einige Wochen zuvor genervt, und obwohl deren
Sänger heute besser bei Stimme war, hinterliessen
sie auch diesmal wieder den Eindruck einer Band,
die nur dem Trend hinterherläuft und gängigen
Klischees zu entsprechen versucht, anstatt etwas
Neuartiges zu kreieren oder Eigenständigkeit an
den Tag zu legen. So boten Saltatio Mortis auch an
diesem Abend wieder ein buntes Potpourri
musikalischer Beliebigkeiten, das sie jedoch durch
eine gigantische flackernde Lightshow aufzuwerten
versuchten, bei der jedoch dermaßen hektisch zu
Werke gegangen wurde, dass man für die etwaigen
Epileptiker unter den Zuschauern nur beten konnte
und sich unweigerlich fragte, welche Drogen der
Mann am Lichtmixer wohl eingeworfen hatte.
Da es mittlerweile recht kühl geworden war,
beschlossen wir, vorzeitig nach Hause zu fahren und
bekamen daher von den Headlinern des Abends, Fiddler's Green, nichts mehr
mit - aber mit dieser Band ist es sowieso so eine
Sache: Würde man Bands die The Pogues, die Whisky
Priests, The Men They Couldn't Hang, die
Oysterband oder auch die Dropkick Murphys nicht
kennen - ja, dann würde man Fiddler's Green
höchstwahrscheinlich richtig gut finden... doch da
man dummerweise all dieses Bands kennt,
beschleicht einen bei Fiddler's Green das gleiche
Gefühl als wenn man beim Frühstück statt Nutella
einen NoName- Haselnuss-Schoko-Brotaufstrich
vorgesetzt bekommt: Egal, wie dick man ihn auf
aufstreicht oder was alles auf dem Glas steht - er
kommt einfach nicht ans Original heran!
Fazit: Es war trotz allem ein sehr schönes und
intimes Festival, das nächstes Jahr hoffentlich
wieder eine Fortsetzung findet - uns hat es
jedenfalls verdammt gut gefallen!
Veldensteiner Festival 2007
Wie üblich waren meine Süße und ich etwas zu spät
dran, so daß wir - nachdem wir unser Lager auf dem
Festival-Campingplatz aufgeschlagen hatten - nur noch
das Ende des Auftritts von Letzte Instanz mitbekamen. Aus
diesem Grund kann ich nicht viel über die Band
sagen, doch wer derart beherzt fortwährend “The
Lion Sleeps Tonight” zitiert und zu guter letzt
auch noch den definitiv besten Kiss-Song aller
Zeiten - nämlich “I Was Made For Loving You” - in
einer mehr als akzeptablen Version darbietet, kann
so schlecht nicht sein...
Die danach auftretenden Saltatio Mortis hingegen
brachten nichts, was man nicht schon tausendmal
zuvor gehört hätte: Harte Metal-Riffs,
mittelalterliche Dudelsäcke sowie farblose Vocals
- und alles ohne den geringsten Funken von
Originalität oder Wiedererkennungswert. Daher
liessen wir uns lieber ein gutes Bier schmecken,
anstatt weiter vor der Bühne herumzulungern - dort
tauchten wir nämlich erst wieder auf, als es Zeit
für meine ehemaligen Label-Kollegen (remember Ars
Metalli?) Die Apokalyptischen Reiter war,
und obwohl deren Musik nach wie vor nicht
unbedingt meine Baustelle ist, spielten sie einen
beeindruckenden Set, bei dem vor allem die
Gesangsleistung des Sängers sowie das perfekte
Timing der Band hervorstachen! Zwar verbreitete so
manches ihrer Publikumsspielchen eher den Flair
einer grenzdebilen Teenager-Geburtstagsparty, aber
alles in allem war es ein äußerst unterhaltsamer
Gig, der durchaus das Prädikat wertvoll verdiente.
Nun waren Schelmish an der Reihe, und
obwohl sich der Mann am Mischpult jeglich
erdenkbare Mühe gab, den Sound der Band zu
verunstalten, war dieser Haufen für mich wie auch
für meine Freundin eindeutig das Highlight des
Festivals, denn obwohl auch Schelmish mitunter
einer musikalischen “In-Extremo-fizierung”
unterlagen und die eine oder andere Nummer am
Start hatten, die zu sehr auf die üblichen
Mittelalter-meets-Metal-Klischees setzte,
brillierte die Band mit einer derartigen
Spielfreude und gnadenlosem Powerplay, daß ihr
auch der offenbar völlig taube und von allen guten
Geistern verlassene Mixer nichts anhaben konnte.
Schelmish legten all das an den Tag, woran es Bands
wie Saltatio Mortis mangelt: Originelle Rhythmen,
einprägsame Songstrukturen, abwechslungsreiche
Dudelsack-Melodien etc. Zwar sind auch bei dieser
Band keine Gesangsvirtuosen am Start, doch wären
Schelmish die Ersten, die dies auch zugeben würden -
und dieses Manko machten sie durch jede Menge
einfallsreicher und mächtig ins Tanzbein gehender
Instrumental-Stücke wett; alles in allem eine tolle
und mitreissende Performance, für die die Band völlig
zu recht von einem hellauf begeisterten Publikum
abgefeiert wurde!
Bevor daraufhin die Headliner Subway to Sally die Bühne
betraten, ging eine längere Umbaupause voraus,
während der sich das Wetter deutlich
verschlechterte - möglicherweise hatte es schon
geahnt, was sich gleich in musikalischer Hinsicht
abspielen würde...
Wieso Subway to Sally über eine solch große
Fangemeinde verfügen, werde ich nie begreifen:
Vermutlich hat sich das jahrelange Touren der Band
bezahlt gemacht, und man kann auch keinesfalls
behaupten, daß die beteiligten Musiker und
Musikerinnen ihr Handwerk nicht verstehen würden.
Doch das Aufregendste am Auftritt dieser Band blieb
die effektvoll in Szene gesetzte Lightshow,
wohingegen die Musik so aufregend war wie eine Nacht
am Oer-Erkenschwicker Hauptbahnhof: Es war
schlichtweg die komprimierteste Form musikalischer
Langeweile, die ich seit langem erlebt hatte - und
mit einem Mal wünschte ich mir nichts sehnlicher, als
daß ich meinen iPod mitgenommen hätte...
Daher zogen wir uns nach der Hälfte der Show und mit
dem plötzlichen Einsetzen heftiger Regengüsse unter
den Poffertjes-Stand zurück und kamen wenig später
völlig durchnässt, aber mit einer Flasche
Holunderbeerwein bewaffnet an unserem Nachtlager an,
wo wir zu den Klänger der zuvor frisch erworbenen
Schelmish-CD dem Regen lauschten und uns dabei den
Wein schmecken liessen...
Fazit: Trotz des Wetterumschwungs am späten Abend war
es ein äußerst gelungenes und gut organisiertes
Festival, bei dem wir uns lediglich einen anderen
Headliner gewünscht hätten.
Feuertanz-Festival 2007
Meine Süße und ich
bummelten nach unserer Ankunft erst mal über den
Mittelaltermarkt und bestiegen den Burgturm, bevor
wir uns zu ASP vor der Bühne einfanden,
und obwohl ich nicht allzuviele Songs dieser Band
kannte, war ich von der ASP ziemlich beeindruckt:
Sie spielten einen druckvollen und
spannungsgeladenen Set, der mächtig ins Tanzbein
ging, und konnten aufgrund ihrer sympathischen
Performance trotz der für eine Gothic-Band
ungewöhnlichen Lichtverhältnisse (die Sonne stand
noch am Himmel!) und des miesen Sounds, der ihnen
verpasst wurde (und der wie im weiteren Verlauf
des Festivals zu hören war, sich sehr wohl besser
gestalten liess!), das Publikum begeistern. Uns
hat's jedenfalls so gut gefallen, daß wir uns ASP
gerne nochmal am 15. November in Nürnberg im
"Hirsch" unter hoffentlich
besseren akustischen Voraussetzungen anschauen
werden.
Nach ASP waren Tanzwut dran, die eine äußerst
professionelle und ebenfalls zum Tanzen
animierende Show boten: Seltsamerweise war deren
Sound deutlich besser als der von ASP, obwohl
Tanzwut definitiv schwerer abzumischen sind - ein
Schweinehund, wer Schlechtes dabei denkt!
Nichtsdestotrotz gingen Tanzwut ziemlich gut ab,
doch die mangelnden stimmlichen Qualitäten von
Sänger Teufel, der zwar ein guter Entertainer sein
mag, in punkto Gesang jedoch eher nach rostiger
Gießkanne klingt, liessen den Set auf Dauer etwas
eintönig werden: Mit einem besseren Sänger würden
die Songs von Tanzwut erheblich dazugewinnen!
Am späten Abend traten dann Schandmaul, die Headliner des
Festivals, auf: Mittlerweile war es proppenvoll
geworden, und so bekamen wir nur noch einen Platz
am Seitenrand der Bühne. Spieltechnisch sind
Schandmaul über jeden Zweifel erhaben: Da wackelt
nichts, und es gibt keine schiefen Töne - doch mit
ihrem Songmaterial geht es mir genau so wie mit
Blackmore's Night: Eine halbe Stunde lang klingt
alles ganz nett, aber genau wie bei Zuckerwatte
verpufft die anfängliche Begeisterung ziemlich
schnel! Am Besten gefiel mir im Verlauf des Sets
"Die Tür in mir", wohingegen "Walpurgisnacht"
gänzlich verpuffte. Bei aller Kritik muss ich
Schandmaul jedoch zugute halten, daß sie einen
eigenständigen Sound kreiert haben, der sie
deutlich von anderen Bands dieses Genres
unterscheidet und über einen hohen
Wiedererkennungswert verfügt.
Da wir nach dem Auftritt von Schandmaul noch
keinerlei Lust verspürten, das Festival zu verlassen,
fanden wir uns auf dem Burghof ein, wo Feuerschwanz aufspielten und
dabei von Feuerschluckern und Gauklern begleitet
wurden. Dabei überraschten mich Feuerschwanz
positiv, denn noch vor 2 Jahren auf dem
Veldensteiner Burgfestival ging mir diese Band
tierisch auf die Nüsse - doch hier, im kleinen
Rahmen des fackelbeschienenen Burghofs, rissen
Feuerschwanz das Publikum mit ihrem
stimmungsvollen Mittelalter-Set richtiggehend mit,
wofür sie auch völlig zu Recht mit "Flughafen"-
und "Gorgonzola"-Rufen abgefeiert wurden!
Nachdem Feuerschwanz und die Gaukler sich in den
wohlverdienten Feierabend bzw. Feiermorgen
verabschiedet hatten, wollten wir uns noch Eric Fish
anschauen, der bereits im Festsaal der Burg zu
spielen angefangen hatte, doch da im Saal keinen
Platz mehr gab, setzten wir uns kurzerhand draußen
vor dem Fenster auf eine Bank und lauschten dem
Künstler von dort aus. Ich hatte Eric Fish solo zuvor
noch nie gehört und mir eigentlich nichts besonderes
erwartet, daher war ich ziemlich erstaunt, als mir da
ein traditioneller aber nichtsdestotrotz souverän
vorgetragener Folk-Set zu Ohren kam. Leider bekamen
wir nur noch den letzten Teil des Auftritts mit, der
mit einer Cover-Version des unverwüstlichen Neil
Young-Klassikers "Rockin' in the Free World" endete,
und nach einem weiteren Spaziergang diurch die
mondbeschienene Nacht begaben wir uns schliesslich zu
unserem mobilen Schlafplatz am Fuß der Burg.
Fazit: Ein sehr schön gestaltetes Festival mit jeder
Menge Schauwert und einem musikalisch durchaus
abwechslungsreichen Programm, wobei meiner Favoriten
eindeutig ASP und Feuerschwanz waren.
Übersetzung von "Goodbye To Jane" und "The Farewell"
Sid: Aber klar doch - hier kommt die Übersetzung von "Goodbye To Jane":
Schau das Mädchen am Boden
wie es den Regen beobachtet
der gleich einem Rinnsal aus Blut am Fenster entlangläuft
Über den Boden verstreut
liegen mit schwarzem Stift gezeichnete Bilder
die ein gefesseltes Kind ohne Mund zeigen
Ihre Mutter ist Einkaufen gegangen
und sie betet
daß ihr Vater nicht nach Hause kommen möge
Doch kein Gott hat sich je um Jane's Gebete gekümmert:
Ihr Vater kommt zurück, um mit Jane zu spielen!
Sie schliesst ihre Augen
um vor sich selbst zu fliehen
wie sie geschändet und missbraucht am Boden liegt
Es hätte keinen Zweck, sich irgendjemandem anzuvertrauen:
Wer würde Jane schon glauben?
Hass steigt in ihr empor
denn sie hat dies nicht verdient:
Ist es etwa ihre Schuld
daß ihr Vater diese Spiele spielt?
Verzweifelt versucht sie dahinterzukommen
was sie wohl falsch gemacht haben könnte
Schau das Mädchen am Boden
das es nicht länger ertragen kann
von lüsternen Händen besudelt zu werden
Ein solches Leben bedeutet ihr nicht viel
Der Gürtel um ihren Hals zieht sie sanft hinweg
Er schliesst die Tür
denn sie scheint nur zu schlafen
doch diese kranken Spiele werden nie wieder gespielt werden
Niemand konnte erklären
was mit Jane geschah:
Sie war nur eines von vielen Millionen Mädchen:
Leb wohl, Jane!
Und hier der deutsche Text von "The Farewell" ("Der
Abschied"):
Ich wollte auf dem Gipfel des Berges leben
doch ohne Dich ist es dort nun kalt und einsam
Ich wollte in den Ozean der Liebe eintauchen
doch stattdessen strandete ich am Ufer der
zerbrochenen Träume
Für Dich sang ich die Lieder des dunklen Schwans
und jede Zeile, die ich schrieb, war ein Schlag
meines Herzens
Für immer brennend auf dem Scheiterhaufen der Liebe
Hör nun auf zu schlagen, mein blutendes Herz
denn dieses Messer stach zu tief
und so versuche ich ein letztes Mal
meinen Atem anzuhalten
Einst brannte ein helles Licht im Leuchtturm meines
Herzens:
Ich gab Dir so viel mehr als nur meine Liebe
und Du brachst so viel mehr als nur ein Versprechen
Unser Planet versank so verheerend
in den Nebeln der Zeit
Es gab keinen Schatz am Ende des Regenbogens zu
finden
irgendwo hinter Andromeda
Ich habe bis zum Ende des Dezembers gewartet
doch ich werde nie wieder ausreiten:
Das Kind der Wintersonnenwende
wird in einer Mitsommernacht unbemerkt entschwinden
Mögest Du nun also kommen, mein ach so romantischer
Engel
und kyrahnische Hymnen für mich singen
mich in Deinen Armen halten
mit welkenden Blüten bedecken
und mich hinunter zu meiner geliebten See tragen
Ich bin müde
so unglaublich müde
Bitte warte für mich unter der Mitternachtssonne
wo ich wieder singen und tanzen werde
und wo mein Lachen erneut
von den Bergen klingen wird
Oh, wie ich versucht habe
zu glauben
wie ich liebte und darum kämpfte
diesen Traum festzuhalten;
wie gerne ich leben wollte:
Doch nun gehe zurück an einen Ort
wo Liebe mehr ist als nur ein Wort aus fünf
Buchstaben
Und nun
da ich die Erinnerung an Dich
zum Abschied küsse
fange ich an
das Licht zu sehen...

Musikalische Einflüsse
Sid: Meine Einflüße sind vielfältiger Natur: Ich höre sehr gerne klassische Musik von Komponisten wie z. B. Beethoven, Wagner, Rossini, Lassus oder auch Palestrina, wohingegen ich aus dem Bereich der zeitgenössischen Musik Bands bzw. Interpreten wie The Pogues, Bruce Springsteen, Hidden Cameras, Tindersticks, The Good The Bad & The Queen, The Killers, Radiohead, The Clash, The Mekons, The Jam, Them, Joy Division, Blondie, Soft Cell, Social Distortion, Mink de Ville, Dead Can Dance, Mountain Goats, EA 80, Jonathan Richman, The Ramones, Sex Pistols, Magnetic Fields oder auch The Divine Comedy bevorzuge.
Näx: Beeinflußt wurde ich früh von der Salsa- und Andenmusik meiner peruanischen Mutter, was aber bei meinen heutigen musikalischen Aktivitäten so gut wie nie hörbar ist. Die frühen Pogues haben da schon hörbarere Spuren hinterlassen. Als musikalische Bezugsperson muß ich Tom Kannmacher nennen, der schon in den 70er Jahren auf traditionellen Instrumenten Musik gespielt und aufgenommen hat. Er hat mir auch die Bedienung der Uilleann Pipes beigebracht.
Musik, die ich gerne höre, weil sie mich berührt, stammt vor allem von der Bothy Band, Planxty, Liam O'Flynn, den frühen Pogues, Celtas Cortos und wer sonst noch irische Musik spielt oder sie mit jedweder anderer Musik verbindet. Daneben höre ich gerne den frühen Grandmaster Flash, Molotow Soda, Perotin, Afro Cuban All Stars, Dead Can Dance usw.

Verwechslungsgefahr
Sid: Ja, es kommt schon gelegentlich vor, dass die Leute Antichrisis irgendwie mit Antichrist in Verbindung bringen - doch damit hat der Bandname gar nichts zu tun: Antichrisis ist ein griechisches Anagramm, das sich mit "Heilige Tänze zu Ehren der Isis" übersetzen lässt. Außerdem gefällt mir die daraus resultierende Doppelbedeutung des Bandnamens, denn Antichrisis könnte ja genau so gut für "Anti-crisis" - also "gegen die Krise" - stehen...

Botschaft
Sid: Mein künstlerisches Ziel ist vermutlich das gleiche, das jeder Musiker hat: Die ständige und vergebliche Suche nach dem perfekten Song. Dieses Ziel wird man wahrscheinlich nie erreichen, aber man kann ihm manchmal zumindest recht nahe kommen... Auf diesem Weg möchte ich stets offen für Neues bleiben; außerdem möchte ich mich nicht wiederholen, weshalb ich mir auch das Ziel gesetzt habe, dass jedes Antichrisis-Album anders als sein Vorgänger klingen soll.
Beim Hörer möchte ich eigentlich nur Eines erreichen: Dass ihn die Musik berührt und ihm in den dunklen Momenten des Lebens Hoffnung und Zuversicht gibt. Ich möchte keinesfalls Musik machen, die den Hörer "runterzieht", selbst in meinen traurigsten Songs versuche ich immer wieder, einen Silberstreif am Horizont durchschimmern zu lassen, denn Trauer ohne einen Funken Zuversicht hinterlässt nur ein tiefes schwarzes Loch in der Seele.

Neue Wege
Sid: Naja, die Melodien waren auch schon auf "Cantara Anachoreta" enthalten, doch konnte mal sie unter all den verzerrten Gitarren nur schwer heraushören *gg*...
"Cantara Anachoreta" entstand in einer Zeit, als ich meinen Gefühle am Besten durch schwere E-Gitarren-Riffs und aggressivem Gesang Ausdruck verleihen konnte; denn damals waren Wut, Ohnmacht und Verzweiflung über eine sich abzeichnende Trennung die bei mir vorherrschenden Gefühle... Doch mit jedem neuen Album versuche ich, meinen Gefühlen einen differenzierteren Ausdruck zu verleihen und z. B. auch den schönen Seiten der Liebe mehr Raum zu geben. Jeder, der schon mal geliebt hat, kennt vermutlich all die emotionalen Stadien, die man nach einer Trennung durchläuft: Trauer und Zorn; die quälende Frage, was man falsch gemacht hat; die Erinnerung an die schönen Zeiten; die Tränen, wenn man sich alte Fotos anschaut... man durchläuft so viele unterschiedliche und extreme Gefühlszustände, und all diesen Facetten versuche ich in meinen Songs Form zu verleihen, weshalb z. B. Songs wie "Nightswan" und "Planet Kyrah" ein völlig positives Gefühl vermitteln, da ich bei diesen Stücken in den Erinnerungen an die guten Zeiten schwelge, während in Tracks wie "Trying not to Breathe" oder "The Farewell" die Raserei bzw. das Gefühl des Aufgebens und der Kapitulation den Grundton prägen.
Die vielfältigen Schattierungen in der Musik von Antichrisis rühren auch daher, daß ich beim Verfassen eines Songs niemals einer bestimmten Vorgabe folge: Manchmal bin ich selbst überrascht, in welche Richtung sich ein Stück entwickelt. Jeder Song wählt sich seinen eigenen Weg, indem sich der Inhalt die passende Form sucht - diese "Arbeitsweise" verhindert, daß Antichrisis auf eine fest umrissene Stilrichtung festglegt werden kann. Zwar finden sich in unserer Musik sowohl Elemente von Gothic, Dark Wave, Folk, Metal, Electronica usw., dennoch kann sie nicht auf nur eine dieser Spielarten reduziert werden, und sie ist auch weit davon entfernt, lediglich einen Crossover darzustellen, weil jedes dieser Elemente nur dann zum Einsatz kommt, wenn es die Geschichte, die ich in dem jeweiligen Song erzählen will, erfordert... Das mag jetzt vielleicht ein wenig kopflastig klingen, doch im Grunde genommen ist es ein völlig organischer Prozeß, der ganz von selbst abläuft und es mir erlaubt, mich eines äußerst breiten Spektrums unterschiedlichster Stilistiken zu bedienen.

Moonshadow
Sid: Ich spielte "Cantara Anachoreta" noch unter dem Pseudonym "Moonshadow" ein, doch kurz vor Veröffentlichung des Albums kam es zur Trennung von meiner damaligen Freundin, mit der ich zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre zusammengelebt hatte. Ich brach völlig zusammen und landete nach einem Selbstmordversuch für 3 Monate in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik. Dadurch verlor ich meinen Job, meine Wohnung, und musste völlig neu anfangen, den alle Verbindungen zu meinem alten Leben hatten sich aufgelöst - und somit war im übertragenen Sinne auch mein altes Ich gestorben; "Moonshadow" hatte zu existieren aufgehört.
Diese symbolische Wandlung wurde von einigen Magazinen fälschlicherweise als konkrete Todesmeldung interpretiert... ich fand es in diesem Zusammenhang nur etwas belustigend, dass diejenigen, die glaubten, Moonshadow wäre tatsächlich gestorben und durch Sid ersetzt worden, nicht merkten, dass sich der Sänger auf "A Legacy of Love" genau so anhört wie der auf "Cantara Anachoreta".
Moonshadow war zugegebenermaßen ein etwas prätentiöser Künstlername, den ich mir seinerzeit allerdings aus völlig unspektakulären Gründen zulegte: Es gibt einen gleichnamigen Song von Cat Stevens, der mir sowohl vom Text als auch von der Musik her schon immer ausgesprochen gut gefiel und daher fand ich, dass dieser Name gut zu mir und zu dem, was ich mit Antichrisis zum Ausdruck bringen wollte, passen würde.

News (German), April 2006
Die schlechten Nachrichten zuerst: Die Veröffentlichung von "The Legacy Remains" wird sich leider noch etwas verzögern! Da die Promotion-Kampagne für "A Legacy Of Love Mark II" erst in diesen Tagen beginnt (was bedeutet, dass der Teil der Öffentlichkeit, der bislang noch nicht mit dem Schaffen von Antichrisis vertraut war, "A Legacy Of Love Mark II" als Neuveröffentlichung im Mai 2006 ansehen wird) , wäre es in marketingtechnischer Hinsicht nicht besonders ratsam, "The Legacy Remains" innerhalb der nächsten Monate zu veröffentlichen. So werdet ihr wohl erst Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres das neueste Antichrisis-Album in euren Händen halten können...
Da in den letzten Monaten so viele neue Songs geschrieben und aufgenommen wurden, werden es allerdings nur die besten Stücke auf "The Legacy Remains" schaffen - und somit wird sich die Wartezeit auf das Album ganz bestimmt lohnen!
Ansonsten läuft jedoch alles bestens: Nach dem langen und dunklen Winter scheint sich nun endlich der Frühling hervorzuwagen, und ich freue mich schon auf die bevorstehenden Aufnahmen mit Antichrisis wie auch mit Blindflug, dem deutschsprachigen Bandprojekt von Bernd und mir.
Da ich auch gerne live auftrete, habe ich zusammen mit Bernd, Flo und Katja, der neuen Antichrisis-Sängerin, auch noch ein Nebenprojekt namens Folkstone Gang ins Leben gerufen. In dieser Formation spielen wir sowohl Cover-Versionen wie auch eigenes Material, und falls ihr zufällig aus Nürnberg oder Umgebung kommt, könnt ihr uns auch live sehen, und zwar am:
4. Juli 2006, im Irish
Castle in Nürnberg, und am
16. Dezember 2006 in der Pegnitzbühne e. V. in
Nürnberg
Um Verwechslungen zu
vermeiden, sei an dieser Stelle noch einmal
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den
beiden o. a. Veranstaltungen um Auftritte der
Folkstone Gang und nicht von Antichrisis handelt: Das
soll nicht heissen, dass keine Antichrisis-Songs
dargeboten werden würden, aber der Schwerpunkt liegt
eindeutig auf anderem Material. Nichtsdestotrotz bin
ich sicher, dass ihr diese eher "folkigen" Gigs
geniessen werdet.
Diejenigen von euch, die ausschliesslich an
Antichrisis interessiert sind, wird es sicherlich
freuen zu hören, dass einer unserer seltenen
Unplugged-Auftritte (d. h. nur Katja, ich und eine
Akustikgitarre) im Rahmen des Balladentags am 24.
September 2006 in der Kofferfarbik Fürth stattfinden
wird. Der Balladentag wird von Florian Baessler,
einem außergewöhnlichen Sänger und Gitarristen aus
Erlangen, organisiert, und stellt einen guten
überblick über das kreative Schaffen der Sänger- und
Songwriter-Szene im Städtedreieck Nürnberg - Fürth -
Erlangen dar. Da es sich beim Balladentag um ein
kleines Festival handelt, wurde die Spielzeit aller
Künstler/Bands auf 15 Minuten pro Auftritt
beschränkt, doch Katja und ich werden trotz der Kürze
der Zeit einige alte wie auch neue Antichrisis-Songs
zu Gehör bringen (übrigens wird bei dieser
Veranstaltung auch Blindflug Unplugged dabei sein).
Bitte beachtet, dass der Auftritt von Antichrisis
Unplugged bereits um 15:20 beginnt; der Eintritt ist
frei.
Das ist alles für heute: Ich wünsche euch ein
glückliches Beltane - und habt Dank für eure
unermüdliche Unterstützung! Und wer weiss: vielleicht
sehen wir uns ja bei einer der oben erwähnten
Veranstaltungen? Ich würde mich freuen...

Vorbilder und Einflüsse
Sid: Ich schreibe ja alle Antichrisis-Songs - bis auf "How can I live on Top of the Mountain?", das auf traditionellen Irish Folk Tunes beruht und von Näx verfasst wurde - im Alleingang, und da ich privat über ein sehr breit gefächertes musikalisches Spektrum verfüge, höre ich die unterschiedlichsten Arten von Musik, sei es nun Klassik, Folk, Reggae, Bhangra, EBM, Britpop oder TripHop - ich finde in nahezu jeder musikalischen Richtung Songs, die mir gefallen.
Die vielfältigen Schattierungen in der Musik von Antichrisis rühren auch daher, daß ich beim Verfassen eines Songs niemals bestimmten Vorgaben folge: Ich lasse mich einfach überraschen, in welche Richtung sich ein Stück entwickelt. Jeder Song wählt sich seinen eigenen Weg, indem sich der jeweilige Inhalt seine passende Form sucht - diese "Arbeitsweise" verhindert, daß Antichrisis auf eine fest umrissene Stilrichtung festglegt werden kann. Zwar finden sich in unserer Musik sowohl Elemente von Gothic, Dark Wave, Folk, Metal, Electronica usw., dennoch kann sie nicht auf nur eine dieser Spielarten reduziert werden, und sie ist auch weit davon entfernt, lediglich einen Crossover darzustellen, weil jedes dieser Elemente nur dann zum Einsatz kommt, wenn es die Geschichte, die ich in dem jeweiligen Song erzählen will, erfordert... Das mag jetzt vielleicht ein wenig kopflastig klingen, doch im Grunde genommen ist es ein völlig organischer Prozeß, der ganz von selbst abläuft und es mir erlaubt, mich eines äußerst breiten Spektrums unterschiedlichster Stilistiken zu bedienen.
Als Songwriter bin ich wohl am meisten von Künstlern wie Joe Strummer & Mick Jones, Stephin Merritt, Joel Gibb, Bruce Springsteen, Shane MacGowan, Billy Bragg, Ian Curtis, Kirk Brandon, Paul Weller und Lisa Gerrard beeinflusst worden, obwohl man deren Einflüsse aus meinen Songs vermutlich nicht unbedingt heraushört.
Ansonsten höre ich keine Bands, die ähnlich wie Antichrisis klingen - schlichtweg deshalb, weil es keine gibt, die sich direkt mit uns vergleichen liessen, auch wenn in der Vergangenheit schon Parallelen zu Bands und Interpreten wie Blackmore's Night, Wolfstone, Lacrimosa, Cranberries oder Mike Oldfield gezogen wurden - doch alleine schon an dieser Auflistung lässt sich erkennen, wie schwer Antichrisis einzuordnen ist.
Neben meiner Arbeit mit Antichrisis produziere ich z. Zt. auch ein deutschsprachiges Projekt namens Blindflug, von dem es unter http://www.blindflugonline.de Outtakes aus unserer aktuellen Vorproduktion zu hören gibt.

Zu geringer Output?
Sid: Wie lange benötigen denn Bands wie Metallica, Nine Inch Nails, Pink Floyd, Depeche Mode oder Guns N' Roses für ein neues Album? Und dabei handelt es sich bei diesen Künstlern um "hauptberufliche" Musiker, die sich ganz auf ihre Musik konzentrieren können und nicht noch nebenbei arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Es mangelt mir keinesfalls an Ideen, aber wenn ich auf die letzten 10 Jahre zurückschaue, dann stelle ich fest, dass ich ein ziemlich bewegtes Leben mit extremen Höhen und Tiefen hinter mir habe: ich saß in der Zeit 2 x in der Psychiatrie, habe einige extrem schmerzhafte Trennungen hinter mir, aufgrund derer ich meinen jeweiligen Wohnort wechseln und jedes Mal wieder einen kompletten Neuanfang machen musste; um meine körperliche Gesundheit stand es aufgrund dieser Vorkommnisse ebenfalls nicht immer zum Besten usw. Daher wundert es mich eigentlich, dass die bisherigen Alben überhaupt entstehen konnten, denn ich bin alleine für das Songwriting zuständig und mache auch die ziemlich aufwändigen Vorproduktionen im Alleingang.
Hinzu kommt, dass Ärger mit der Plattenfirma auch nicht gerade dazu angetan ist, die Produktivität zu steigern - erst jetzt, wo wir bei Reartone Records unter Vertrag sind, kann ich mich endlich mal einigermassen entspannt zurücklehnen und nur um die Musik kümmern, weil das Label voll und ganz hinter der Band steht und einen mehr als ordentlichen Job macht.

Schaffensphasen
Sid: Für mich sind die jeweiligen Schaffensphasen von Antichrisis in erster Linie mit den emotionalen Zuständen verbunden, in denen unsere Alben entstanden: während der Aufnahmen zu "Cantara Anachoreta" zerbrach gerade eine fast 7-jährige Beziehung, so dass ich in die Songs dieses Albums meine ganze Wut und meinen Schmerz legte - da blieb kein Raum mehr für irgendwelche positiven Gefühle.
Auf "A Legacy of Love" fand zwar ein ähnlicher Prozess statt, aber diesmal auf vielschichtigere Art und Weise: zwar waren auch hier Schmerz und Trauer im Übermaß vorhanden, weil ich schon wieder einen geliebten Menschen verloren hatte, doch ich ließ gleichzeitig eine Ambivalenz zu, der ich mich auf "Cantara Anachoreta" noch verweigert hatte: mit Songs wie "Nightswan" oder "Dancing in the Midnight Sun" räumte ich den positiven Aspekten dieser Liebe ihren Platz ein, auch wenn dies zum damaligen Zeitpunkt leider nur in Form eines wehmütigen Rückblicks erfolgen konnte. Aber es ist genau diese Ambivalenz, die "A Legacy of Love" so besonders macht, weil dort Liebe und Schönheit, Trauer und Wut gleichberechtigt nebeneinander stehen und die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle in Bezug auf den Verlust einer Beziehung widerspiegeln.
So gesehen war "Perfume" das einzige Album, bei dessen Entstehung es mir rundherum gut ging - ausnahmsweise gab es keine verlorene Beziehung, die aufgearbeitet werden musste; stattdessen war ich glücklich verliebt, und das hört man der Scheibe auch an: ich musste nicht mehr wie noch auf "Cantara Anachoreta" und "A Legacy of Love" gegen die Wogen der Verzweiflung ankämpfen.
Ich lass' mich mal überraschen, in welcher Lebenssituation ich mich bei den Aufnahmen zu unserem nächsten Album "The Legacy remains" befinden werde.

Schicksalsschläge
Sid: Ich glaube, ich bin mittlerweile schon so oft abgestürzt, dass ich eine gewisse Routine im "wieder-auf-die-Beine" kommen entwickelt habe. Leicht ist es mir nie gefallen, denn es fühlte sich jedes Mal so an, als ob ich meine persönliche Schmerzgrenze erreicht oder sogar überschritten hätte. Bezeichnenderweise standen all diese Abstürze immer in Zusammenhang mit Beziehungen beziehungsweise deren Ende - aber Liebe macht nun mal sehr verletzlich, und je mehr man liebt, desto verletzlicher wird man. Es ist wirklich eine merkwürdige Sache: einerseits kann einem Liebe unendliche Kraft verleihen und zu Taten beflügeln, die man alleine nie für möglich gehalten hätte, doch andererseits kann sie einem auch die schmerzhaftesten Niederlagen und die größten Tiefschläge zufügen, bis man nur noch wie ein Häufchen Elend in der Ecke kauert...
Mir hat immer meine Musik geholfen, um mich aus diesem Schlamassel wieder herauszuziehen - ich glaube, wenn ich damals nicht die Songs zu "A Legacy of Love" geschrieben hätte, um meinem Schmerz eine Gestalt zu verleihen, so dass er mich nicht mehr innerlich zerfressen konnte, würde ich heute nicht mehr hier sitzen: das Schreiben der Songs wurde zu einer Art Überlebenstraining für mich...

News (German), Januar 2006
Ein neues Jahr ist gekommen, und die Arbeit an unserem neuen Album schreitet bestens voran, so dass "The Legacy remains" voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2006 bei unserem Lieblingslabel Reartone Records erscheinen wird. Wir haben bislang 23 Songs aufgenommen, von denen es jedoch nur 12 oder 13 auf das Album schaffen werden; die letztendliche Auswahl wird allerdings erst erfolgen, wenn alle Stücke komplett abgemischt sind.
Im Lauf des letzten Jahres hat Bianca die Band verlassen, doch mit Katja haben wir mittlerweile eine mehr als ebenbürtige Nachfolgerin am Mikrophon gefunden, die im Studio bereits ihre Feuertaufe bestanden hat und sowohl musikalisch als auch menschlich bestens zu Antichrisis passt.
Durch diesen Personalwechsel haben wir in Bezug auf die Produktion von "The Legacy remains" mal wieder etwas mehr Arbeit als geplant bekommen, da nun natürlich alle Stücke, die wir bereits mit Bianca im Studio aufgenommen hatten, von Katja neu eingesungen werden müssen, doch auf den geplanten Veröffentlichungstermin des Albums dürfte dies keine größeren Auswirkungen haben.
Darüber hinaus haben wir mit Bernd einen neuen Webmaster an Bord (In diesem Zusammenhang ein herzliches Dankeschön an unseren bisherigen Webmaster Jens für seine hervorrragende Arbeit - er hat sich die Entlastung redlich verdient!), der auch ein fantastischer Sänger und Songwriter ist (schaut einfach mal unter http://www.bew-music.de und http://bew-music.blogspot.com nach), mit dem ich derzeit an einem deutschsprachigen Side-Projekt namens Blindflug arbeite, das äußerst vielversprechende Formen annimmt.
Habt Dank für euer Feedback, eure unermüdliche Unterstützung und eure Treue!
Mit den besten Grüßen an euch alle!

News (German), Juli 2005
Das Leben ist schon eine merkwürdige Sache: Irgendwie scheint es immer anders zu kommen, als man denkt; was gestern noch dauerhaft und unzerstörbar erschien, ist morgen schon wieder entschwunden wie Nebelschwaden im Licht der Morgensonne. Dummerweise hat Schmerz die schlechte Angewohnheit, die künstlerische Kreativität zu beflügeln (zumindest so lange er den Grad nicht überschreitet, ab dem er nur noch lähmend wirkt - aber das kenn ich ja schon zu Genüge!), so dass mehr als genügend Inspiration für die nächsten Alben von Antichrisis gewährleistet ist (Achtung: Sarkasmus!).
Doch abgesehen vom Privatleben des Meisters gedeiht Antichrisis prächtig: Dass die Aktualisierung unserer Website so lange auf sich warten ließ, hatte in erster Linie damit zu tun, dass ich umgezogen bin und daher erst mal meine gesamten Habseligkeiten von A nach B schaffen musste, bevor ich wieder Kontakt mit der wundersamen Welt des Internets aufnehmen konnte. Mittlerweile sind jedoch alle diesbezüglichen Arbeiten erledigt, und ich kann mich wieder mit frischer Kraft und neuen Ideen um die Produktion unseres bevorstehenden Albums "The Legacy remains" kümmern.
Diesbezüglich wird es in nächster Zeit sowieso noch einige positive Überraschungen und interessante Neuigkeiten geben, doch die will ich mir für das nächste Website-Update aufheben.
Dafür gibt es wie mehrfach gefordert wieder meine derzeitige persönliche Top 10-Liste, die jedoch aufgrund meiner Entscheidungsunfähigkeit zu einer Top 30-Liste angewachsen ist:
"Teignmouth" - Patrick
Wolf
"I'm waking up to us" - Belle & Sebastian
"Turning of the Tide" - Midnight Choir
"Love hurts" - Emmylou Harris & Gram Parsons
"We oh we" - The Hidden Cameras
"Smile at Everyone" - Minor Majority
"Understanding Jane" - Icicle Works
"Balkon gegenüber" - Kettcar
"I lost it" - Lucinda Williams
"One thing" - Runrig
"So called Friend" - Texas
"When you were my Baby" - The Magnetic Fields
"Head on" - Pixies
"Uncertain Times" - The Raveonettes
"Serenade" - Dover
"Goodbye Horses" - Q Lazzarus
"If I told you you were beautiful" - Minor Majority
"I will not forget you" - Sarah McLachlan
"To win just once" - Saw Doctors
"The last Beat of my Heart" - Siouxsie & The
Banshees
"Live before you die" - Social Distortion
"Reconsider me" - Moneybrother
"Buried Bones" - Tindersticks
"Neon Moon" - Midnight Choir
"Common People" - William Shatner
"Please don't leave" - The Ramones
"Like a Cannibal" - Mila Mar
"Ode to L.A." - The Raveonettes
"Landungsbrücken raus" - Kettcar
"Come back from San Francisco" - The Magnetic Fields
Und nicht vergessen: die limitierte Digipack-Edition
von "A Legacy of Love Mark II" ist noch immer bei
Playbaker zu einem äußerst günstigen Preis zu
bekommen!
Zu guter letzt noch ein Zitat des viktorianischen
Dichters Alfred Lord Tennyson, das mir aufgrund der
Ereignisse der letzten Wochen erneut in den Sinn kam:
I hold it true,
whate'er befall;
I feel it, when I sorrow most;
'Tis better to have loved and lost
Than never to have loved at all.
Alfred Lord Tennyson (1809 - 1892)
"In Memoriam" (1850)
Mit den besten Grüßen an euch alle!

Experiment
Sid: "Perfume" erschien zu einem Zeitpunkt, als es zu den bereits erwähnten Scherereien mit Napalm gekommen war, weshalb von Seiten des Labels auch kein Interesse mehr Bestand, dieses Album noch in irgendeiner Form effektiv zu promoten. Napalm warf uns ja sogar vor, dass Antichrisis auf dem Album wie Tic Tac Toe klingen würden, worauf ich entgegenete, dass ich überhaupt nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn Napalm von "Perfume" ebenso viele Einheiten wie Tic Tac Toe verkaufen würde.
Ich glaube, wir sind eine der wenigen Bands in der Musikgeschichte, die sich von Seiten der eigenen Plattenfirma den Vorwurf anhören musste, das sie "zu kommerziell" sei...
Daher bist Du leider nicht der Einzige, an dem "Perfume" völlig spurlos vorüber ging - auch wenn ich dem Album im Nachhinein eher mit zwiespältigen Gefühlen gegenüberstehe: Es stellte zum damaligen Zeitpunkt ein Experiment dar, bei dem ich mal eine andere Arbeitsweise ausprobieren wollte - doch ein Experiment kann mitunter auch daneben gehen: Songs wie "Like the Stars", "Goodbye to Jane" oder "Hole in my Head" halte ich auch aus heutiger Sicht noch für äußerst gelungen, wohingegen einige andere Tracks nicht die Wirkung entfalten konnten, die sie hätten haben können, wenn ich ich sie anders strukturiert hätte. Ich wollte viel Raum für Improvisationen lassen und keine detaillierte Ausarbeitung wie noch auf "A Legacy of Love" vornehmen. Diese Methode hatte zwar ihren Reiz, führte letztendlich aber dazu, dass "Perfume" weitaus weniger geschlossen als "Cantara Anachoreta" oder "A Legacy of Love" klingt. Wie gesagt: Es sind einige sehr gute Songs darauf enthalten, aber als Album funktionierte es nicht.
Wie auch immer - ich habe aus diesem Experiment gelernt und festgestellt, dass meine Songs dann am stärksten sind, wenn ich sie über die Melodie entwickle und nicht über Drum-Grooves und Bass-Lines, wie ich es auf "Perfume" getan habe.

Neuaufnahme
Sid: Das wäre sicherlich eine interessante Angelegenheit - aber andererseits möchte ich lieber an neuen Songs arbeiten. Die Neuaufnahme von "A Legacy of Love" stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar, die einfach notwendig war, um die musikalische Brücke zu "The Legacy remains" zu schlagen, wohingegen ich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt kein Album in Planung habe, das an den Sound von "Cantara Anachoreta" anknüpfen würde.
Ich denke nicht, dass man den "Cantara"-Songs - mit Ausnahme von "Goodbye to Jane", das wir aus genau diesem Grund für "Perfume" nochmals neu eingespielt hatten, durch eine _Überarbeitung einen großen Gefallen tun würde, denn der besondere Reiz von "Cantara Anachoreta" liegt nun mal gerade in seiner Räudigkeit und Imperfektion: es knarzt und kratzt an allen Ecken und Enden, und dieser Effekt steht den Songs meiner Ansicht nach ziemlich gut zu Gesicht.

News (German), Januar 2005
Das Warten hat ein Ende!
“A Legacy of Love Mark II” wurde kürzlich als Digipack in völlig neuer gestalterischer und musikalischer Bearbeitung auf Reartone Records veröffentlicht.
Die Songs wurden musikalisch weiter entwickelt, neu arrangiert und eingespielt. Das Booklet wurde optisch den Songinhalten angepasst und somit ebenfalls komplett überarbeitet und neu gestaltet.
Durch die neue Interpretation und Verkürzung einzelner Stücke konnte das in der früheren Version entfallene “End of December" als Bonustrack in die Titelliste mit aufgenommen werden.
Insgesamt wirkt das Album durch die erfolgte Überarbeitung wesentlich kompakter und erlebt durch die musikalischen Neuinterpretationen eine gelungene Weiterentwicklung gegenüber der vergriffenen Original-Version “A Legacy of Love”.
Um die unfaire Preispolitik der Musikindustrie auszuhebeln haben wir uns für ein Vertriebsmodell entschieden, das es uns ermöglicht, “A Legacy of Love Mark II” trotz aufwendiger Gestaltung und des mit der Neueinspielung betriebenen Aufwands wesentlich günstiger als vergleichbare CD's anbieten zu können. Aus diesem Grund wird das Album zunächst ausschliesslich über www.playbaker.de zu beziehen sein.
So viel für heute - wir werden euch über unsere weiteren Aktivitäten an dieser Stelle auf dem Laufenden halten.
Mit den besten Grüßen an euch alle!

News (German), Dezember 2004
Wir haben es geschafft: Die Neuaufnamen und der Remix von “A Legacy of Love” sind endlich abgeschlossen! Das Album wird in den nächsten Wochen in einer Digipack Edition inklusive Bonus-Track erscheinen; über das genau Erscheinungsdatum werden wir euch an dieser Stelle noch frühzeitig informieren.
Das Album wird den Titel “A Legacy of Love Mark II” tragen: “Mark II” deshalb, weil es im Grunde genommen eine Art “Update” der 1998 erschienenen Originalversion von “A Legacy of Love” darstellt: Wir haben lediglich die ursprünglichen Gesangsaufnahmen sowie einige Instrumentalsoli beibehalten; alle anderen Spuren wurden vom neuen Antichrisis Line-up komplett neu eingespielt und arrangiert.
Ich war mit der ursprünglichen Version von "A Legacy of Love" nie völlig zufrieden, da Antichrisis zum damaligen Zeitpunkt eher nach einem Ein-Mann-Projekt als nach einer richtigen Band klang - kein Wunder, da ich damals die meisten Instrumente selbst eingespielt hatte. Da ich aber nach wie vor hinter den Songs von "A Legacy of Love" stehe, wollte ich die Gelegenheit nutzen, den aktuellen Bandsound von Antichrisis, den ich schon damals im Hinterkopf hatte, festzuhalten. Und da unsere Fans immer wieder nach einer Neuauflage des Albums fragten, da es auf legalem Weg nicht mehr verfügbar war, wollten wir gleich Nägel mit Köpfen machen.
Mein ganz besonderer Dank an dieser Stelle geht an Jens, Tilo, Kugator & Näx: Ohne eure Hilfe wäre “A Legacy of Love Mark II” nicht zu dem geworden, was es jetzt ist!

News (German), September 2004
Wir haben in den letzten Wochen sowohl an der Fertigstellung der Vorproduktion unseres neuen Albums als auch an der Wiederveröffentlichung von “A Legacy of Love” gearbeitet, wobei der Begriff “Wiederveröffentlichung” eigentlich eine leichte Untertreibung darstellt, denn wir belassen es nicht nur bei dem in solchen Fällen üblichen Re-Mastering und Re-Mixing, sondern wir spielen darüber hinaus die Keyboards und Gitarren für “A Legacy of Love” völlig neu ein: Die E-Drums, die wir seinerzeit verwendet haben, sind bereits herausgeflogen und durch Kugators Schlagzeug ersetzt worden.
Alles in allem wird “A Legacy of Love” also komplett überarbeitet, restauriert, editiert und mit einem zusätzlichen Bonus-Track versehen werden, bevor wir die CD voraussichtlich Ende des Jahres wiederveröffentlichen: Wer das Album bislang schon mochte, wird von dieser Neuauflage vermutlich hellauf begeistert sein!
Viele von euch haben mir geschrieben und sich beklagt, dass sie die Rubrik der persönlichen Top-Ten-Hits, die auf unserer alten Website enthalten war, schmerzlich vermissen. Daher als Entschädigung an dieser Stelle eine kleine Auflistung meiner derzeitigen Lieblingssongs:
Life fades away - Roy Orbison
Don’t play that Song (You lied) - Ben E. King
Levi Stubb’s Tears - Billy Bragg
Warning Sign - Coldplay
Brand New Start - Paul Weller
Love is Only a Feeling - The Darkness
Mary’s in India - Dido
With Whom to dance - The Divine Comedy
Duke of Earl - Gene Chandler
Boys of Melody - The Hidden Cameras
Sleep Well Tonight - Inspiral Carpets
Ascension - Kirlian Camera
Du sälde vära hjärtan - Lisa Ekdahl
Pillar of Davidson - Live
The Gift - Midge Ure
Dark Island - Mike Oldfield
Whale - Rescue Mission
Hear My Song - Vernon Midgely
Ring on the Sill - Cowboy Junkies
Until the Morning Comes - Tindersticks
Ciega Sordomuda - Shakira
All My Little Words - The Magnetic Fields
These Arms of Mine - Otis Redding
Shakin’ all over - Johnny Kidd & The Pirates
Say Hello Wave Goodbye - David Gray
So viel für heute - wir
werden euch über unsere weiteren Aktivitäten an
dieser Stelle auf dem Laufenden halten.

Lieblingssongs
Sid: Klar kenne ich das - allerdings sind es bei mir nicht so sehr Bands an sich, die diese Gefühle auslösen, sondern einzelne Lieder bzw. Stücke - so z. B. Pachelbels Kanon, der III. Satz aus Beethovens 9. Symphonie, der Liebestod aus Wagners "Tristan und Isolde", "For my fallen Angel" von My Dying Bride, "Sanvean" von Dead Can Dance, "Tunnel of Love" von den Dire Straits, "New Dawn Fades" von Joy Division, "If I should fall behind" von Bruce Springsteen, "The Memory of Trees" von Enya, "Up the Junction" von Squeeze, "Shanagolden" von Paddy Day, "Let Down" von Radiohead, "Pillars of Davidson" von Live, "From Adam to Eve" von Nigel Kennedy, "Will You?" von Hazel O'Connor, "Lonesome Highway" von Shane McGowan, "End of the Line" von Mink de Ville, "Hollywood Holiday" von True West, "The Siren of the Woods" von Therion, "Road to Somewhere" von Mark Beer, "With whom to dance" von The Divine Comedy, "Rock'n'Roll Suicide" von David Bowie, "All my little Words" von The Magnetic Fields, "When the Music's over" von den Doors, "This Man, this Street, this Life" von den Cowboy Junkies, "My lonely Sad Eyes" von Them, "Love hurts" von Nazareth, "I gotta be strong" von Gene Pitney, "One" von U2, "Leader of the Pack" von den Shangri-Las, "Here" von den Tindersticks, "Boys of Melody" von The Hidden Cameras...und so könnte es noch endlos weitergehen!
Näx: Oh ja, das ist immer noch die beste Musik, die von den Ohren direkt ins zentrale Nervensystem geht, unter Umgehung des Haupthirns. Genial! Dieses Gefühl erzeugen bei mir vor allem einige Balladen von Loreena McKennitt, die schnellen Sets der Bothy Band und der "Buuredanz" und "Pänz, Pänz, Pänz" von den Bläck Föss...

Multiinstrumentalisten?
Sid: Ich bin absoluter Autodidakt und übe auch so gut wie nie, weshalb ich im Gegensatz zu Näx kein guter Musiker im technischen Sinne bin - aber es gelingt mir dennoch, mit einfachen Mitteln gute Songs zu schreiben. Zwar finde ich mich auf vielen Instrumenten einigermaßen zurecht, "beherrschen" würde ich das jedoch nicht nennen. Näx hingegen hat das Spielen auf dem Dudelsack wirklich erlernt und ist auch definitiv ein Virtuose - nicht nur auf diesem Instrument! Zum Üben kann ich mich nie aufraffen, weil mir das zu langweilig ist: Sobald ich mich mit einem Instrument hinsetze, kommt mir meist schon eine Songidee, die ich dann ausarbeiten möchte...
Näx: Mit 6-7 wollte ich unbedingt Geige lernen, was ich dann auch sechs Jahre lang versuchen durfte, bis ich keinen Spaß mehr daran hatte. Mit 15 habe ich mir mit Nachhilfeunterricht meine erste Gitarre verdient und mir die legendäre und weltweit bekannte Schrammeltechnik beigebracht. Irgenwann danach hörte ich dann zum ersten Mal die Pogues, die Dubliners und schließlich die Bothy Band und war prompt vom irischen Virus infiziert. Also besorgte ich mir eine Mandoline (die wie die Violine gestimmt ist), dazu Tin Whistles und Dance Tunes. Der Hit war aber, daß ich aus der Zeitung erfuhr, daß es in Bonn einen Uilleann Pipes-Lehrer gab: Tom Kannmacher - einer der Wegbereiter des Folkrevivals im Deutschland der 70er und 80er Jahre. Also ging ich mit 18 Jahren wieder in die Musikschule, baute ein Instrument und bekam regelmäßigen Unterricht. Mit Eintritt in das Studentenleben fiel der Unterricht dann wieder weg, aber der gute Kontakt zu Tom blieb erhalten. So musiziere ich seither in verschiedenen Folkbands und vor allem in irischen Sessions. Man bleibt so in Übung und lernt nie aus, obwohl diese Praxis mit dem Studienende leider abnimmt.

Zu wenig Interviews?
Sid: Fotos oder Interviews haben für mich nichts mit der eigentlichen Musik zu tun, sondern dienen lediglich der Schaffung eines Images, an dem sich wiederum die Hörerschaft orientiert, was eigentlich idiotisch ist, denn Musik sollte immer für sich selbst und losgelöst von allen sonstigen Faktoren sprechen.
Ich finde Interviews grundsätzlich dann interessant, wenn sie mich zum Nachdenken zwingen und ich nicht einfach irgendwelche Standardantworten abspulen muß. Wenn ich selbst dabei noch hinterfragt werde, um so besser! Persönliche Interviews sind mir diesbezüglich am liebsten, weil sich aus ihnen noch am ehesten ein Dialog entwickeln kann, doch an sich kommt es wirklich auf die Qualität der Fragen an und darauf, wie stark sich der Interviewer mit der Arbeit des Befragten beschäftigt hat.
Fotografien? Presse und Hörerschaft verlangen danach, mir selbst sind sie eher unwichtig, denn ich weiß ja, wie ich aussehe und - an dieser Stelle teile ich die Einstellung von Dead Can Dance - es lenkt u. U. von der Musik ab, weil durch jedes Bild sofort eine optische Kategorisierung durch den Betrachter vorgenommen wird. Daher versuche ich, die Cover von ANTICHRISIS so zu gestalten, daß sie nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Musik zulassen und dennoch eine harmonische Einheit mit ihr bilden.
Näx: Ich persönlich gebe am liebsten persönliche, telefonische oder schriftliche Interviews, wobei letztere den einzigen Vorteil haben, daß ich sie beantworten kann, wann ich will. Auch wenn ich lieber Musik mache, rede ich auch darüber oder über mich. Wenn's die Menschen interessiert sollen sie ruhig zu Hauf losfragen und die Antworten abdrucken. Ich sperre mich nicht gegen Interviews oder Fotos und schon gar nicht mit dem Argument, daß die Musik im Vordergrund stehen sollte. Schließlich steht, vielmehr klingt Musik ja nicht nur für sich allein, sondern sie wird von Menschen vermittelt und hörbar gemacht, die dies aus einem bestimmten Grund und in einer bestimmten Stimmung und in einer Bestimmten Art tun. Möchte ein Hörer nicht nur wissen, daß eine Musik so klingt wie sie klingt, sondern auch, warum sie so klingt, so ist er auf Informationen über die Musiker und am besten auf Informationen von den Musikern selbst angewiesen. Solche Auskünfte erweitern das Verständis für die Musik um solche Aspekte, die sich gerade nicht durch den Klang alleine vermitteln lassen.

Aura des Geheimnisvollen?
Sid: Wenn die Fragestellung interessant ist, beantworte ich Interviews durchaus gerne; werden dagegen nur die üblichen Standardfragen gestellt, ist es natürlich eher langweilig, weil man zum x-ten Male ein- und dieselben Statements von sich gibt. Ansonsten sind Interviews wahrscheinlich für jede(n) MusikerIn eine zweischneidige Angelegenheit, denn u. U. geht für die Beantwortung derselben sehr viel Zeit drauf, die man lieber für das eigentliche Musikmachen verwenden würde. Doch natürlich will man den eigenen Bekanntheitsgrad erhöhen, und somit gehören Interviews zum täglichen Brot in der Musikbranche - dementsprechend sollte man sich entsprechend Mühe damit geben.
Ich habe eigentlich nie beabsichtigt, Antichrisis mit der Aura des "Geheimnisvollen" zu umgeben: Mir geht es lediglich darum, meine Musik nicht über irgendein festgelegtes Image zu verkaufen, sondern jede Art von Assoziation zuzulassen. Ich möchte vermeiden, daß Antichrisis in irgendeine Schublade gesteckt wird...

DJ Sid?
Näx: Ich finde es nicht verwerflich, wenn zu grooviger Musik ein wenig gerappt wird. Long live Grandmaster Flash and The Furious Five! Immerhin ist Rap die extremste Form, Sprache zu rhythmisieren, von Reinhard Mey's genialen Reimereien mal abgesehen. O.k., Antichrisis ist keine echte Gangsta Rap Crew, aber Tic Tac Toe ist das schliesslich auch nicht...
Sid: Ich kann mich für viele unterschiedliche Musikstile begeistern - es zählt nur, ob ein Song gut oder schlecht ist, und nicht, welcher musikalischer Stilmittel er sich bedient...und ich sehe mir tausendmal lieber einen guten Gig von Seeed an, als mir den xten Aufguss des immer gleichen, mittlerweile völlig zur leeren Pose erstarrten Gothic-Metal-Konzepts anzutun! "Like the Stars" ist nun mal ein Dancefloor-Song und verlangte daher auch nach dem Einsatz der entsprechenden Stilmittel. Wenn ich die Idee für einen Song habe, frage ich niemals danach, welche musikalischen Ausdrucksformen ich dabei zum Einsatz bringen darf und welche nicht - eine solche Form der Selbstzensur wäre der Tod meiner Musik!
Ich war zugegebenermassen zunächst selbst überrascht, als ich während der Vorproduktion feststellte, dass "Like the Stars" mit dem Sprechgesang in den Strophen am besten funktioniert, und ich stellte fest, dass es keine leichte Aufgabe ist, einen Text zu schreiben, der sich streng nach dem Diktat von Rhythmik, Versmaß und Reimschema zu richten hat. Im übrigen sind die meisten Leute, die "Perfume" bislang gehört haben, der Ansicht, dass wir "Like the Stars" unbedingt als Single hätten auskoppeln sollen.
Weniger Melancholie?
Sid: Die Arbeit an einem Album kann zwar helfen, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, so wie dies schon bei "A Legacy of Love" und "Cantara Anachoreta" der Fall war, doch die eigentliche Katharsis setzt erst mit dem nötigen zeitlichen Abstand ein: Manche Verarbeitungsprozesse brauchen eben ihre Zeit! Somit hatten die beiden ersten Antichrisis-Alben eine Art Tagebuch-Funktion: Ich dokumentierte mit den Songs meine eigenen Gefühle, um ihnen so Gestalt zu verleihen.
"Perfume" ist allerdings definitiv das erste Antichrisis-Album, auf dem ich als Songwriter keine Vergangenheitsbewältigung leisten musste, sondern mich völlig auf das Hier und Jetzt konzentrieren konnte - daher auch die kraftvollere und zuversichtlichere Grundstimmung des Albums. Darüber hinaus war es mir wichtig, Antichrisis auch einmal von einer anderen Seite zu zeigen, die in der Vergangenheit zu kurz kam: Nämlich als eine Band, die durchaus zu grooven versteht und deren Songs zum Tanzen geeignet sind.

Stilistischer Wandel
Sid: Wir haben lediglich unsere musikalische Basis erweitert und ausgebaut, was eigentlich eine ganz normale künstlerische Entwicklung sein sollte: Wir sind stets offen für Experimente, und wenn sich diese in Form guter Songs niederschlagen, setzen wir sie auch um. Dies war somit der einzige Bewertungsmassstab, den bei den Vorbereitungsarbeiten für "Perfume" anlegten: Betreiben wir hier Experimente um des Experiments willen, oder entwickeln sich daraus schlüssige Songs, die unsere Gefühle bestmöglich zum Ausdruck bringen und die dennoch neue musikalische Bereiche eröffnen? Daher empfinde ich "Perfume" weniger als Wandlung, sondern vielmehr als konsequente Weiterentwicklung - und das war schon immer eines der charakteristischen Markenzeichen von Antichrisis.

Wunschtraum
Sid: Mit meiner Geliebten gemeinsam bis ans Ende unserer Tage in einem Haus an der Küste von Cornwall zusammen zu leben - Ich hoffe schwer, daß das nicht nur ein Traum bleibt.

Sids musikalischer Werdegang
Sid: Puh, wo fang' ich da am besten an? Also: Als ich im Alter von 14 Jahren zum 1. Mal über genügend finanzielle Mittel dafür verfügte, legte ich mir eine elektrische Gitarre inklusive Verstärker zu und stellte unverzüglich fest, daß eine Gitarre zwar über 6 Saiten, ich hingegen lediglich über 5 Finger an einer Hand verfügte, was bedeutete, daß das herkömmliche System des Gitarrenspiels - zumindest so lange es mir nicht gelänge, Akkorde mit beiden Händen zu greifen und die Saiten mit der Nase anzuschlagen - für mich nicht funktionieren würde. Um diesem Umstand Abhilfe zu schaffen, reduzierte ich den Saitenbestand meiner japanischen Les-Paul-Kopie zunächst von 6 auf 2, was die Sache schon wesentlich einfacher machte, da nun meine Finger die Lufthoheit über dem Griffbrett hatten und ich dank dieser Einsparungsmaßnahmen endlich in der Lage war, sämtliche Songs meiner damaligen Helden, der Ramones, nachspielen zu können, womit mein künstlerischer Ehrg